Boom bei Einkaufszentren

8. Juli 2004, 15:47
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Trotz stagnierender Handelsumsätze Trend zu größeren Einkaufszentren - Gastronomie-Anteil und Leerstände nehmen zu - mit Grafik

Wien - Trotz stagnierender Einzelhandelsumsätze ist in Österreich keine Ende des Booms neuer Einkaufszentren (EKZ) abzusehen. Noch immer befinden sich viele Projekte von Einkaufszentren in Umsetzung. Diese Entwicklung hänge nicht nur mit den langen Vorlaufzeiten für solche Vorhaben zusammen, sondern spiegle auch das Vertrauen der Projektentwickler in diesen erfolgreichen Betriebstyp wider, so das Wiener Consultingunternehmen RegioPlan in einer aktuellen Studie. Wermutstropfen für manche Betreiber: auch die Leerstände nehmen zu.

Verdrängungswettbewerb

Obwohl der Abdeckungsgrad von Shopping-Center-Verkaufsflächen pro Einwohner in Österreich bereits weit über dem EU-Durchschnitt liegt, werden Jahr für Jahr neue Projekte aus der Schublade gezogen. Für diese Entwicklung sind laut RegioPlan zwei Gründe verantwortlich: Erstens sorgen neue Projekte für steigende Konkurrenz, und zweitens ziehen neue EKZ-Projekte und Flächenvergrößerungen an bestehenden guten Standorten Umsätze aus anderen Betriebstypen ab. Schwächere EKZ, die keinen optimalen Standort und keine klare Positionierung aufweisen geraten durch neue, modern konzipierte Projekte unter Druck. Ein harter Verdrängungswettbewerb ist die Folge.

Die Planungen neuer Einkaufszentren zeigen laut RegioPlan zwei Trends auf: Einerseits werden Projekte in Stadtgebieten forciert, auch um den stagnierenden innerstädtischen Handel wieder zu beleben, andererseits streben immer mehr Betreiber von Einkaufszentren eine Vergrößerung und Optimierungen ihrer Shopping-Zentren an. Größere Flächen würden dem Konsumenten eine große Auswahl und Freiheit in seinen Kaufentscheidungen suggerieren und würden daher den Anforderungen der modernen Konsumenten gerecht, heißt es. Neue Projekte "auf der grünen Wiese" stellten eher die Ausnahme dar.

Starke Zunahme an Verkaufsflächen

Die Bedeutung von Einkaufszentren hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Die Verkaufsflächen haben sich seit 2000 um 12,7 Prozent vergrößert. Im Jahresvergleich werde das Flächenwachstum 2004 zwar auf 2,0 Prozent von 5,2 Prozent in 2003 etwas abgeschwächt, mittelfristig werde aber ein Flächenwachstum von etwa 3 Prozent pro Jahr anzutreffen sein, heißt es.

Zu den wichtigsten Projekten in diesem Jahr zählen das bereits fertiggestellte M4 in Wörgl, "Arkade Meidling", "Klagenfurt Südpark", Plus City (Erweiterung um 25.000 Quadratmeter) und "Hartberg Hatric". 2005 wird die ShoppingCenter-Landschaft um die Wiener Projekte Interspar Kreilplatz, Lugner City (Ausbau) und das Columbus Center bereichert. Auch in den Bundesländern ist man nicht untätig: Die wohl wichtigsten Projekte sind der Ausbau des Europaparks in Salzburg, "SEP Gmunden", Interspar EKZ Villach, sowie der Ausbau der UNO Leonding am Harter Plateau.

Moderner Brachenmix gefragt

Wie die RegioPlan-Studie weiter ergab, versuchen EKZ-Betreiber über Einflußnahme auf die Mieterstruktur den Branchenmix modern zu halten und so dem geänderten Konsumentenverhalten Rechnung zu tragen. Während der Flächenanteil traditioneller Einzelhändler und Dienstleister sinkt, nimmt die Gastronomiefläche, mit der "Erlebnis" und "Ambiente" geschaffen sowie die Verweildauer der Kunden erhöht werden kann, deutlich zu. Allerdings steigen auch die Leerstände an: In den 100 größten Zentren Österreichs bleiben im Jahr 2004 schon 3,8 Prozent der Verkaufsfläche ungenützt.

Von den 100 größten Einkaufszentren in Österreich befinden sich die meisten in Wien, gefolgt von Niederösterreich und Oberösterreich. Die durchschnittliche Fläche je Shopping Center liegt österreichweit bei etwa 15.300 Quadratmeter. Weit über dem Durchschnitt liegen die Bundesländer Wien und Niederösterreich, während Kärnten, Vorarlberg und Burgenland wesentlich niedrigere Werte aufweisen. Die 100 größten Einkaufszentren in Österreich erreichen eine Gesamtverkaufsfläche von mehr als 1,53 Millionen Quadratmeter (+2 Prozent bzw. 29.582 Quadratmeter mehr als im Vorjahr). (APA)

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