Wiener Biotech-Firma entwickelte Wirkstoff gegen Schocks bei Dengue, Ebola und Sars

2. Juli 2004, 20:07
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Das Eiweiß-Fragment FX06 ist ein Tausendsassa: Es reduziert auch die Folgeschäden eines Herzinfarkts

Wien - Für das Peptid FX06 hat jetzt das Wiener Biotech-Unternehmen Fibrex schon das zweite Patent angemeldet. Nach der Entdeckung, dass die Substanz die Folgeschäden eines Herzinfarktes wesentlich reduziert, hat sich herausgestellt, dass das Mittel auch hoch potent bei schweren Schockzuständen, zum Beispiel nach Ebola-, Dengue- oder Sars-Infektionen, und bakterieller Sepsis (Blutvergiftung) sein kann. Dies gab der Entdecker dieses Wirkprinzips, der Wiener Dermatologe Univ.-Prof. Dr. Peter Petzelbauer, in einem Gespräch mit der APA bekannt.

Petzelbauer hat sich seit Jahren an der Universitätsklinik für Dermatologie in Wien mit der Erforschung von Endothelzellen beschäftigt. Das sind jene Zellen, welche die innere Auskleidung von Blutgefäßen bilden. Diese Zellschicht ist von entscheidender Bedeutung für die Entstehung von Entzündungen und für die Neigung zu Blutungen.

Für diese Forschungen wurde der Wissenschafter auch schon mit mehreren renommierten Auszeichnungen bedacht. Im Jahr 2000 gründete Petzelbauer mit wenigen Partnern das Biotech-Start-Up-Unternehmen "Fibrex" zur Entwicklung von FX06 (Peptid B-beta15-42) als Medikament.

FX06 als Medikament

Es handelt sich dabei um einen 28 Aminosäuren großen Teil von Fibrin. Fibrin hat viele Gesichter, es ist notwendig, dass der Körper nach Verletzungen nicht verblutet. Fibrin entsteht aber auch unerwünschter Weise, was zur Folge hat, dass zum Beispiel Herzkranzgefäße oder Hirnschlagadern verschlossen werden und Herzinfarkt oder Schlaganfall droht. Um der unerwünschten Fibrin-Bildung entgegenzuwirken, hat der Körper Enzyme, die Fibrin zerkleinern, es entstehen Fibrinfragmente. Die so entstehenden E-Fragmente von Fibrin lagern sich an Gefäßwänden ab und können ihrerseits 'böse' Folgen haben. Sie führen zu unerwünschter Entzündung und im Extremfall zu einem Verlust der Funktion der Blutgefäße.

Genau dieses Prinzip wird mit dem von dem Wiener Biotech-Unternehmen über mittlerweile zwei Patente abgesicherten Peptid angewendet. Außerdem wurde kürzlich entdeckt, dass FX06 auch bei schweren Schockzuständen hervorragende Wirksamkeit zeigt. Beim Schock kommt es zum Zusammenbruch der Funktion der Blutgefäße. Sie verlieren ihre Barriere-Funktion, das heißt, sie verlieren das Blut ins Gewebe, unbehandelt verstirbt der Patient. Das kann die Folge von bakteriellen oder Virus-Infektionen sein wie Ebola-, Dengue- oder andere Viren. Die intravenöse Verabreichung von FX06 hemme solche Prozesse, erklärt der Mediziner.

Erfolge im Tierversuch

Untersuchungen bei schweren bakteriellen Infektionen haben gezeigt, dass die auf der Intensivstation oft zum Tode führen. Ursache sind unter anderem von Bakterien freigesetzte Gifte, welche die Funktion der Blutgefäße zerstören. Behandelt man diesen Zustand mit dem Peptid FX06, ist die Überlebenschance 88 Prozent, unbehandelt hingegen nur bei 25 Prozent.

Es komme darauf an, dass der von Petzelbauer entdeckte und patentierte Fibrin-Anteil den Ablauf von Prozessen verhindert, die sonst bei schweren Infektionen zum generalisierten Schock führen. Bisher habe zur Bekämpfung des septischen Schocks nur ein einziges Medikament, aktiviertes Protein C, einen Effekt bei der Verhinderung von Todesfällen gehabt.

FX06 nach Herzinfarkt

FX06 wurde mittlerweile in der ebenfalls patentierten Anwendung zur Behandlung von Herzinfarktpatienten so weit entwickelt, dass jederzeit mit den Untersuchungen an Patienten begonnen werden könnte. Hier soll nach einem Herzinfarkt und der Auflösung des Blutgerinnsels (Thrombolyse) oder einer Ballon-Aufdehnung des Koronargefäßes (PTCA) der Herzmuskelschaden minimiert werden, der durch die plötzlich wieder hergestellte Sauerstoffversorgung entstehen kann ("Reperfusionsschaden"). Im Labor führt diese Behandlung zu einer Halbierung des Herzmuskelschadens.

Derzeit kooperiert Fibrex mit den Transplantationschirurgen um Univ.-Prof. Dr. Günther Laufer an der Universitätsklinik Innsbruck. Spenderherzen könnten vor der Implantation mit FX06 vorbehandelt werden, um den plötzlichen Sauerstoff-Schock nach der Einpflanzung besser zu überstehen. (Apa)

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