Nano macht's möglich: Aufzug ins All

5. Juli 2004, 13:23
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Am Mittwoch endete in Washington eine Konferenz über den "Space Elevator" - mit Grafik

Washington - US-Präsident George W. Bush will auf den Mond zurück und dann auf den Mars. Der US-Wissenschafter Bradley C. Edwards will einfach nur ins All. Aber nicht mit einem Raumschiff, sondern mit dem Aufzug, dem "Space Elevator". Schwachsinn? Immerhin beraten derzeit Dutzende Wissenschafter privater und bundesstaatlicher Behörden (Nasa) auf einer Konferenz in Washington über die Möglichkeiten eines derartigen Unterfangens.

Die Idee besteht darin, ein rund ein Meter breites Band herzustellen, das jedoch dünner als ein Blatt Papier ist. Als Material dienen Kohlenstoff-Nanoröhrchen. Diese sind etwa 10.000-mal dünner als ein menschliches Haar, aber mehr als 100-mal reißfester als Stahl. Ein Ende des Bandes soll an einer flexiblen Plattform rund 2000 Kilometer vor der Küste Ecuadors im Pazifischen Ozean angebracht werden. Das andere Ende wird mit einem Gegengewicht in eine Höhe von mehr als 100.000 Kilometer geschossen. Die Zentrifugalkraft durch die Erdumdrehung soll das Band in Spannung halten (siehe Grafik). Die Herstellungskosten sollen sich auf gute 6,6 Milliarden Euro belaufen. 15 Jahre seien laut den Wissenschaftern eine realistische Schätzung, um das Ding zu bauen.

Nasa unterstützt Projekt

Edwards ist Kopf des "Space Elevator"-Projektes des Instituts für Scientific Research in Fairmont. Die Nasa hat seinem Forschungszentrum bereits 411.000 Dollar für entsprechende Studien zu Verfügung gestellt, und der Kongress ist bereit, weitere zwei Millionen Dollar zu investieren.

Die Vision eines Weltraumaufzugs ist nicht neu. Bereits 1895 fabelte der russische Raumfahrttheoretiker Konstantin Ziolkowski in diese Richtung: Man solle einen 36.000 Kilometer hohen Turm bauen. In dieser Höhe befindet sich die so genannte geostationäre Umlaufbahn. Dort kreisende Objekte bewegen sich mit derselben Geschwindigkeit um die Erde, mit der diese sich um sich selbst dreht. So hoffte der Russe, der Verbiegung des Turms zuvorzukommen. Von dort sei ein Seil zur Erde zu lassen, und der Aufzug sei so ziemlich fertig. Funktioniert natürlich nicht: Der Turm würde schon in geringer Höhe unter seinem Eigengewicht einstürzen.

Kabel als Tragseil

1960 kam aus Russland die zweite Idee: Von einem geostationären Satelliten soll ein Kabel zur Erde hinabgelassen werden, das als Tragseil für den Weltraumaufzug dient. Ging aufgrund von Materialproblemen bisher auch nicht, weil beispielsweise ein hängendes Stahlseil ab einer Länge von neun Kilometern durch sein eigenes Gewicht reißt.

Die modernsten Materialien jedoch, die "Carbon-Nanotubes", scheinen der Belastung nun standzuhalten. (red/DER STANDARD, Printausgabe, 30.6.2004)

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