"Glasfasertechnik ist wieder im Kommen"

6. Juli 2004, 10:10
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Technik-Spezialist ADVA hofft auf neue Impulse durch Übertragung von Videofilmen

Das Internet wird von Privathaushalten wie Firmen immer intensiver genutzt - bei den Datenleitungen aber gibt es weiterhin Überkapazitäten. "Wir arbeiten diese Bandbreite erst langsam auf", sagt der Vorstandsvorsitzende der Firma ADVA Optical Networking, Brian Protiva.

Krise

Der Spezialist für Glasfasertechnik hat die Krise der Netzwerkbranche vergleichsweise gut überstanden, indem er sich auf innerstädtische Netze, die so genannten Metronetze, konzentriert hat. Während in den Weitstreckenverkehr viel zu stark investiert worden sei, profitiere der Datenverkehr in Ballungsgebieten von einem wachsenden Bedürfnis großer Firmen, ihre verschiedenen Netze zusammenzuführen, erklärt Protiva. Wenn Sprach- und Datennetze, Videokonferenzen und die Datenspeichersysteme der "Storage Area Networks" (SAN) einheitlich verwaltet werden können, sparen große Unternehmen erhebliche Kosten ein.

Neuauflage

"Die Glasfasertechnik ist wieder im Kommen", sagt der Gründer des Unternehmens mit Sitz in Martinsried bei München. Neue technische Lösungen für die Übertragung von Daten nach dem in Firmen üblichen Ethernet-Protokoll haben dazu ebenso beigetragen wie die "Skalierbarkeit", also die Möglichkeit, immer höhere Datenmengen bewältigen zu können.

"Eine einzige Glasfaserleitung kann gleichzeitig Gespräche auf Deutsch, Englisch und Chinesisch übertragen", sagt Protiva mit Blick auf das Trendthema "Voice over IP" (VoIP), der Übertragung von Telefongesprächen über Internet-Leitungen. Dabei wird die Technik der Wellenlängenmultiplexer (WDM) genutzt: Bei der optischen Übertragung der Daten werden Lichtwellen unterschiedlicher Farben (Frequenzen) unterschieden, was den parallelen Transport mehrerer Datenströme ermöglicht. Bei 64 solcher Kanäle mit einer Datenrate von jeweils zehn Gigabit pro Sekunde werden Bandbreiten von 640 GBit/sec erreicht. Sowohl die Zahl der Kanäle als auch ihre Datenrate werde in den nächsten zehn Jahren stetig steigen, sagt Protiva voraus. Damit werden dann Bandbreiten von mehreren Terabit in der Sekunde möglich.

Umfangreich

Von allen Anwendungen im Netz haben Videofilme den größten Datenhunger. Protiva hofft daher, dass die zu seinen Kunden zählenden Telekommunikationsfirmen wie die Deutsche Telekom ihre Video-Angebote ausweiten werden: "Damit würde der Bedarf an Bandbreite explodieren."

Die vor zehn Jahren gegründete ADVA beschäftigt zurzeit 440 Mitarbeiter, mehr als die Hälfte von ihnen an den deutschen Standorten Martinsried, Meiningen, Berlin und Hannover. Jeder vierte Mitarbeiter ist in der Forschung beschäftigt. "Wir stellen weiter ein", kündigt der Vorstandschef an. Beim Umsatz erwarten Analysten für dieses Jahr ein Wachstum von mindestens zehn Prozent; 2003 lag der Umsatz bei 90,4 Millionen. Damit ist ADVA Europa-Marktführer bei WDM-Lösungen in Metronetzen. Da bisher noch 80 Prozent des Umsatzes auf Europa entfallen, will Protiva jetzt als Vorstandschef in die USA umziehen, um das dortige Geschäft auszubauen und verstärkt an den Weltmarktführer Nortel heranzurücken. (APA)

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