Österreichs Wirtschaft kann keinen Gang zulegen

6. Juli 2004, 09:34
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Wifo: BIP wuchs im ersten Quartal 2004 gegenüber Vorjahr um 0,7 Prozent und gegenüber Vorquartal um 0,2 Prozent - Exporte zogen erst im März an, Binnennachfrage weiter schwach

Wien - Nach dem mäßigen Wachstum im Vorjahr hat Österreichs Wirtschaft auch im ersten Quartal 2004 keinen Gang zulegen können. Wie das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) am Dienstag mitteilte, wuchs das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber dem ersten Quartal 2003 um 0,7 Prozent und gegenüber dem Vorquartal um 0,2 Prozent. Die Exportwirtschaft habe erst im März an Dynamik gewonnen, die Konjunkturdaten für diesen Monat ließen eine Zunahme der Dynamik in naher Zukunft erwarten.

Jahresprognosen am Freitag

Am kommenden Freitag geben Wifo und IHS (Institut für Höhere Studien) ihre neuesten Jahresprognosen bekannt. In seiner April-Prognose war das Wifo von einer Beschleunigung des Wachstums für 2004 auf 1,5 Prozent und für 2005 auf 2,3 Prozent ausgegangen. Das IHS hatte wie berichtet für heuer ein BIP-Plus von 2,1 Prozent und für das Folgejahr eines von 2,5 Prozent prognostiziert.

Im abgelaufenen Jahr 2003 erreichte das Wirtschaftswachstum in Österreich 0,7 Prozent, wie bereits vor drei Monaten vom Wifo nach vorläufigen Zahlen bekannt gegeben wurde. Es hat sich damit gegenüber dem Vorjahr halbiert. Das Ergebnis für das vierte Quartal 2003 wurde geringfügig revidiert (+0,6 statt +0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr).

13 Prozent Exportsteigerung im Euro-Raum

Im Euro-Raum wuchs das BIP im ersten Quartal 2004 um Saisoneinflüsse bereinigt im Vergleich zum Vorquartal real um 0,6 Prozent (Schlussquartal 2003: +0,4 Prozent), gab das Wifo weiter bekannt. Gegenüber dem Vorjahresquartal betrug die Wachstmusrate 1,3 Prozent. Für die Belebung der Konjunktur seien außenwirtschaftliche Impulse maßgebend gewesen. Die Handelsbilanz des Euro-Raumes zeigte für das erste Quartal 2004 im Vorjahresvergleich eine nominelle Exportsteigerung um 13 Prozent, während sich der Import um nur fünf Prozent erhöhte. Wegen des Schaltjahres stand ein Arbeitstag mehr zur Verfügung als im Vorjahr. Dies, so das Wifo, habe die Zunahme der Produktion begünstigt.

In Österreich ist die reale Wertschöpfung in den ersten drei Monaten dieses Jahres in der Sachgütererzeugung mit +1,7 Prozent und im Realitätenwesen mit +2,6 Prozent am stärksten gestiegen. "In den meisten anderen Dienstleistungsbranchen war die Konjunktur schwach", berichtet das Wifo. Im Handel wurde der reale Vorjahreswert nicht erreicht (-0,9 Prozent). Am stärksten rückläufig war die Wertschöpfung der sehr schwankungsanfälligen Energiewirtschaft (-4,4 Prozent).

"Sparbemühungen"

Die Nachfrage der privaten Haushalte nach Konsumgütern wuchs mit real +1,1 Prozent (gegenüber dem Vorjahr) weiterhin nur mäßig. Auch der öffentliche Konsum entwickelte sich im ersten Quartal 2004 wie in den letzten Monaten (real +0,4 Prozent). "Nach wie vor ist diese Nachfragekomponente von Sparbemühungen geprägt", merkt das Wifo dazu an.

Nach der lebhaften Investitionstätigkeit im Vorjahr hat die heimische Wirtschaft ihre Ausgaben für Ausrüstungsinvestitionen im ersten Quartal neuerlich erhöht, real um 4,9 Prozent. Nach Wifo-Angaben expandierten die Investitionen in Maschinen und Elektrogeräte mit +5,6 Prozent mehr als doppelt so stark wie jene in Fahrzeuge (+2,7 Prozent). Hatten sich die Bauinvestitionen in den voran gegangenen Quartalen deutlich belebt, fiel das Wachstum im ersten Vierteljahr 2004 mit real +1,1 Prozent wieder gering aus. Investitionen in Wohnbauten stiegen real um 2,4 Prozent, die in andere Bauten um 0,2 Prozent.

Schwache Binnennachfrage

Die Steigerung der österreichischen Exporte zeigte sich erst gegen Ende des ersten Quartals. Wegen des guten Ergebnisses vom März ergab sich eine reale Zunahme der Warenausfuhr um 4,2 Prozent. Der Export von Dienstleistungen ging allerdings im gleichen Zeitraum um 2,1 Prozent zurück (Reiseverkehr: +1 Prozent). Insgesamt übertraf der Export das Ergebnis des ersten Quartals 2003 real um 2,2 Prozent.

Wegen der schwachen Binnennachfrage weitete sich die Wareneinfuhr von Jänner bis März 2004 mit real +2,1 Prozent nur mäßig aus. Stärker expandierte der Import von Dienstleistungen (+6,1 Prozent). Die Reiseverkehrsimporte lagen um 0,8 Prozent unter jenen des Vorjahres. Für den Gesamtimport ergab sich ein Plus von 3,2 Prozent. (APA)

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