EU-Studie: Österreicher kritisieren hohe Preise von Post und Bahn

1. Juli 2004, 11:52
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Lob für Festnetztelefonie, gespaltene Meinung bei Strom - Zurückhaltung zu Liberalisierung

Brüssel - Die Österreicher sind mit Service und Preisen von Post, nationalem Bahnfernverkehr und öffentlichem Nahverkehr unzufrieden, stehen einer Liberalisierung dieser Sektoren aber skeptisch gegenüber. Lobend äußern sie sich indes zu den niedrigen Preisen für Festnetz-Telefonate, wie eine am Montag von der EU-Kommission vorgestellte Studie ergab. Sie basiert auf im vergangenen Herbst durchgeführten Interviews in den 25 EU-Staaten.

Österreich und Frankreich seien die einzigen Länder in der EU, wo sich eine Mehrheit der Befragten unzufrieden mit der Verlässlichkeit und Schnelligkeit der Post zeige, heißt es in der Studie. Ebenfalls nur in Österreich, Deutschland, Luxemburg und Tschechien kritisierte eine Mehrheit der Befragten die Preise der Post als nicht angemessen. Anders als in einer Hand voll EU-Staaten werde in Österreich aber nicht der Wunsch nach einer Liberalisierung des Postverkehrs geäußert, um besseres Service und niedrigere Preise zu erreichen.

Bahn zu teuer

In der großen Mehrheit der EU-Staaten werden die Preise für nationalen Bahnfernverkehr als unangemessen hoch kritisiert. "Sehr ausgeprägt" sei diese Kritik allerdings in Österreich, Deutschland und den Niederlanden. Moniert werde vor allem das Schließen von Haltestellen und die Streichung von Verbindungen. Die Österreicher würden sich demnach einer Öffnung des Schienenverkehrs für private Konkurrenz "im Prinzip nicht unaufgeschlossen" zeigen.

Gemeinsam mit den Deutschen, Briten, Niederländern, Polen und Slowaken kritisieren die Österreicher mehrheitlich auch die Preise im öffentlichen Regionalverkehr als "unfair". Auch hier zeigen sie sich "unter Bedingungen" - wie starke staatliche Aufsicht - aufgeschlossen für private Konkurrenz, heißt es in der Studie.

Stadtverkehr

Was die Qualität des öffentlichen Stadtverkehrs betrifft, haben die Österreicher dagegen gemeinsam mit den Dänen, Schweden und Finnen die positivste Meinung in der EU. Allerdings gehört Österreich nicht zu jenen 13 Staaten, wo die Preise für Fahrkarten als "fair" angesehen werden. In fast allen EU-Staaten wird eine Liberalisierung dieses Sektors abgelehnt.

Nicht zu den Unzufriedenen gehören die Österreicher, was die Qualität und Preis der Festnetztelefonie betrifft. Neben Großbritannien und Malta ist Österreich das einzige Land, wo eine Mehrheit der Befragten die Telefonpreise als "fair" einstuft. Besonders negativ wird die Festnetztelefonie in Frankreich, Italien, Spanien, Tschechien und Litauen eingestuft. Allgemein werden die Grundgebühr sowie die hohen Verbindungsentgelte bei Anrufen ins Mobilnetz kritisiert.

Mobilfunk

Beim Mobilfunk zählen die Österreicher weder zu den Zufriedenen noch zu den Unzufriedenen. Hohe Preise werden vor allem in Luxemburg, Großbritannien, Spanien und Malta beklagt, die Qualität in fast allen Ländern gelobt. Ähnlich unauffällig aus österreichischer Sicht sind die Ergebnisse bei Flug- und Schiffsverkehr.

Gespalten ist die Meinung der Österreicher, was den Strompreis betrifft. Eine Hälfte der Befragten meinte, er sei zu hoch, während die andere Hälfte ihn für angemessen hielt. Dies entspricht der Situation in Spanien, Frankreich und den Niederlanden, während eine Mehrheit der Schweden, Griechen, Italiener und Portugiesen zu hohe Preise beklagt. Dies ist auch in allen zehn Beitrittsländern bis auf Tschechien und Lettland der Fall.

Negatives

Weitgehend zufrieden sind die EU-Bürger mit der Wasserversorgung. Hier gebe es kaum Probleme und auch der Preis werde durchgehend als fair angesehen. Negative Äußerungen dominieren lediglich in Polen und den drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen. Eine große Mehrheit der Befragten in den bisherigen EU-Staaten lehne eine Liberalisierung der Wasserversorgung ab, da es sich um einen grundlegenden öffentlichen Dienst handle. In den neuen Mitgliedstaaten - mit Ausnahme Maltas und Ungarns - werde aber die Hoffnung geäußert, dass eine Privatisierung zu besserem Service führen könnte. (APA)

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