Österreichs Banken sind Ertragsnachzügler

18. Juli 2004, 18:34
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Notenbank fordert höhere Erträge von den Bankinstituten - Fremdwährungskredite boomen

Wien - Das österreichische Finanzsystem ist gesund, schockresistent und belastbar. Dieses Zeugnis stellt die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) den heimischen Banken in ihrem halbjährlichen Finanzmarktstabilitätsbericht aus. Notenbank-Direktor Josef Christl bei der Präsentation am Montag in Wien: "Wir müssen aber am Ball bleiben, selbstzufrieden dürfen wir nicht sein." Untermauert von den Ergebnissen des "Financial Sector Assessment Program", bei dem der Internationale Währungsfonds die Finanzmarktstabilität unter die Lupe genommen hat, monieren die Notenbanker "mehr Ertragswachstum in Österreich": Die Banken hinken der internationalen Konkurrenz nach, nur Deutsche, Franzosen und Italiener sind schwächer, am gewinnträchtigsten sind die Spanier.

Gute Erträge im Osten

Im Gegensatz dazu sind die Banken laut OeNB in Zentral- und Osteuropa sehr profitabel unterwegs. Laut den einschlägigen Statistiken steuert die Region rund 18 Prozent zur Bilanzsumme der Institute bei, ihr Beitrag zum Ertrag liegt dagegen bei einem Drittel, der Beitrag zum Ergebnis bei mehr als 38 Prozent. Am dortigen Marktpotenzial für Österreich werde sich auch so rasch nichts ändern.

Auch bei der Kreditvergabe spielt das Ausland eine immer größere Rolle, in Österreich nimmt die Bedeutung des Bankkredits für die Unternehmensfinanzierung dagegen ab. Kredite von rund 90 Mrd. Euro hatten die Banken im Vorjahr an ausländische Kunden gegeben, 57 Prozent davon gingen in den osteuropäischen Raum. Die österreichischen Unternehmen finanzieren sich dagegen immer häufiger mit Unternehmensanleihen, auf die mittlerweile zehn Prozent aller Fremdmittelfinanzierungen entfallen - Tendenz steigend. Diese Anleihen werden zu 70 Prozent von ausländischen Investoren gezeichnet; im letzten Quartal 2003 betrug das Emissionsvolumen bereits drei Mrd. Euro, nach zwei Mrd. im dritten Quartal.

Fremdwährungskredite boomen

Auch die österreichischen Privathaushalte langen bei den Krediten immer weniger zu. 2002 lag das Kreditwachstum noch bei 4,5 Prozent, 2003 bei 2,8 Prozent, auch heuer "nimmt die Dynamik weiter ab", so die Notenbanker. Verändert hat sich dabei auch die Struktur: Während Kredite für Konsumausgaben rückläufig sind, wächst die Nachfrage nach Wohnbaufinanzierungen. Aufs ganze Land bezogen sei der Verschuldungsgrad "sehr günstig", so die OeNB-Manager. In Österreich liegt die Verschuldung in Relation zum BIP bei 40 Prozent, im EU-Schnitt immerhin bei 58 Prozent.

Einen Wermutstropfen sehen die Notenbanker bei alledem trotzdem: Die Nachfrage nach Fremdwährungskrediten ist ungebrochen, 2003 wurde ein neues Rekordhoch erreicht. Private Haushalte hatten 27 Prozent (oder 45,5 Mrd. Euro) ihrer Kredite in Fremdwährung stecken; den Großteil davon in Schweizer Franken, weniger in Yen. Die Notenbank warnt seit ehedem vor den damit verbundenen Wechselkursrisken - mit mäßigem Erfolg. OeNB-Direktor Christl: "Wir wären froh, da einen Rückgang zu sehen." (Renate Graber, DER STANDARD Printausgabe 29.06.2004)

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