Schotten sind wegen deutscher Werbung sauer

19. Juli 2004, 16:22
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"Wir sind keine Geizhälse" - Protestbrief an deutsche Werbewirtschaft

Die Schotten sind es leid, in der deutschen Werbung als Geizhälse dargestellt zu werden. Angus Robertson, schottischer Abgeordneter im britischen Unterhaus, sagte am Montag, die Werbung sei manchmal "herabwürdigend". Er habe in einem Brief an den Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft darauf hingewiesen, "dass die dauernde Verknüpfung unseres Landes und unserer Landsleute mit Geiz und Billigkeit langsam an die Grenzen der Diffamierung und Beleidigung stößt".

Robertson, der auch außenpolitischer Sprecher der Scottish National Party (SNP) ist, sagte, früher habe es auch in Schottland das schlimme Vorurteil vom geizigen Juden gegeben. Darüber Witze zu machen, sei heute unvorstellbar. Über Schotten dagegen dürfe man offenbar alles Mögliche sagen. Der Sohn einer Deutschen, der sieben Jahre in Österreich gelebt hat, bat um "etwas mehr Sensibilität".

Mit der Wirklichkeit habe das Vorurteil ohnehin nicht viel zu tun. Eine Studie habe zum Beispiel gerade ergeben, dass die Schotten in Großbritannien mit am meisten für gute Zwecke spendeten. "In Deutschland wird schottisch oft mit Billigware verbunden, dabei produzieren wir viele Qualitätsprodukte, zum Beispiel Whisky", sagte Robertson.

Zuvor hatte die schottische Presse darüber berichtet, dass viele deutsche Unternehmen mit "Schottenpreisen" werben. Paul Bishop, Professor für Deutsch an der Universität Glasgow, sagte der Zeitung "Scotland on Sunday": "Schotten gehören zu den wenigen Gruppen, bei denen Deutsche noch das Gefühl haben, dass sie darüber Witze machen können, ohne eine Kontroverse auszulösen." Das Bild des geizigen Schotten stammt nach Angaben von Historikern aus dem 15. Jahrhundert, als sich viele Schotten im deutsch besiedelten Baltikum niederließen. Dort machten sie schnell mit ihren preiswerten Waren von sich reden.

Doch nicht alle Schotten fühlen sich durch die Werbesprüche beleidigt. Ted Cowan, Professor für schottische Geschichte in Glasgow, riet seinen Landsleuten, die Sache nicht zu ernst zu nehmen: "Es gibt schlimmere Dinge, die man über jemanden sagen kann, als dass er sparsam mit Geld umgeht." (APA/dpa)

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