Umweltschützer und Autobahngegner beschwören "Geist von Hainburg"

9. Juli 2004, 22:51
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Protest knüpft an legendäre Aubesetzung an

Wien - Umweltschützer und Autobahngegner rund um Wien beschwören derzeit den "Geist von Hainburg", der sich auch als "Geist der Lobau" in der dortigen Au niederlassen soll. Manche von denen, die nun gegen die Lobau-Untertunnelung und den Bau der S1 auftreten, konnten damals in der Hainburger Au noch nicht Protesterfahrung sammeln.

1984 begannen in der Stopfenreuther Au erste Kundgebungen, um zu verhindern, dass die Donau-Kraftwerke AG dort ein Kraftwerk baut. Binnen Monaten verschärften sich die Debatten. Tausende Demonstranten besetzten die Au, es gab "Adventfeiern", "Nachtwachen", manche verbrachten Wochen im Zeltlager. Günther Nenning, damals Journalistengewerkschafter und heute Kolumnist, trat als "Auhirsch" auf, um seinen Protest kundzutun. Ein "Konrad-Lorenz-Volksbegehren" mit 353.906 Unterschriften (1985) gegen das Projekt wurde initiiert, die Krone leistete publizistische Hilfe.

Als 1996 der Wasserrechtsbescheid der Niederösterreichischen Landesregierung vom Verwaltungsgerichtshof aufgehoben wurde, haben die Hainburg-Gegner einen großen Sieg errungen. Im selben Jahr wird die Hainburger Au zum Nationalpark erklärt. Die Proteste dort waren auch Ausdruck einer aufkeimenden Grünbewegung in Österreich - ein damaliger Lifestyle-Effekt, der heutigen Lobau-Gegnern nicht mehr zupass kommt, wenn sie zum Protest motivieren. Auen und Parks zu verteidigen ist auch zur Routine geworden. Vielerorts existieren Bürgerinitiativen, die für lokale und Kleinanliegen kämpfen, ortsübergreifende Aktionen gibt es selten.

Freda Meissner-Blau, eine der Leitfiguren im Hainburg-Protest ist auch jetzt im Protestkomitee der Lobau-Gegner. 600 Voll- und Teilzeitpromis haben ihre Unterstützung zugesagt. (aw, Der Standard, Printausgabe, 29.06.2004)

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