Fischler: Medien noch nicht europareif

9. Juli 2004, 23:34
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Kein österreichisches Europabewusstsein in der Berichterstattung

Österreich sei in der EU quasi noch immer nicht angekommen, es gebe kein Europabewusstsein - das schlage sich auch in der Berichterstattung nieder. EU-Kommissar Franz Fischler verteilt seine Kritik zum "Verhältnis EU und Journalismus" auf alle Beteiligten. Sowohl die EU, als auch der heimische Journalismus müssten professioneller werden, um Europathemen spannender in Medien dazustellen.

Die Kommunikation zeige "Mängel schon in Brüssel", erklärte Fischler dieser Tage bei einem Hintergrundgespräch der Initiative "Qualität im Journalismus" in Wien. Es gelänge nicht, die Briefings der Kommission für alle Mitglieder so aufzubereiten, dass ihr Inhalt als relevant wahrgenommen wird. Der Informationsstoff bleibe oft abstrakt - niemand verstehe so was. Es werde auch die elektronische Kommunikation zu wenig genutzt, sagte der Kommissar.

Stereotype

Kommunikationswissenschafter Hannes Haas am Wiener Institut für Publizistik meinte, das geringe Interesse der Menschen an EU-Themen liege an deren niedrigen Wissensstand. "Da haben es Stereotype und Klischees (,Geldverschwendung', ,Spesenritter') besonders leicht, aufgenommen zu werden". Der soeben erlebte EU-Wahlkampf habe das gezeigt. Man müsse in den Redaktionen die Auswahl der Themen überdenken, nicht "Apportjournalismus" für die Politik betreiben: Das heißt, neue Aspekte, mehr Korrespondenten. "Die Bedeutung der EU wurde noch nicht erkannt, und wenn, dann ist die Umsetzung nicht gelungen."

Um den Wissensstand über die EU zu erhöhen, plädiert Franz Fischler für eine Internetzeitung, die die Kommission initiieren sollte. Er hofft, so Junge interessieren zu können und sie sollten mitschreiben an der Zeitung. Haas begrüßt ein solches Ausbildungsprojekt, das eine "Europasozialisation" bringen könnte. (aw/DER STANDARD, Printausgabe, 29.6.2004)

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