Länger arbeiten bringt "kein Zusatzwachstum" oder neue Jobs

5. Juli 2004, 15:37
121 Postings

Wifo-Chef Kramer hält nichts vom Industrie­wunsch nach Arbeits­zeitverlängerung - In Deutschland geht die Debatte munter weiter

Wien/Berlin - In der aus Deutschland übergeschwappten Arbeitszeitdebatte sprach sich am Montag Helmut Kramer, Chef des Wirtschaftsforschungsinstitutes (Wifo), gegen eine Verlängerung aus.

Auf einem Symposium von Arbeiterkammer und Wirtschaftsuniversität sagte Kramer: Arbeitszeitverlängerung schaffe "sicher nicht mehr Wachstum, wahrscheinlich auch nicht mehr Beschäftigung". AK-Chef Herbert Tumpel bezeichnete die Vorschläge angesichts der steigenden Arbeitslosigkeit als "indiskutabel". "Das ist mit Sicherheit ein falsches Rezept."

Clement gegen generelle Ausweitung

In Deutschland spitzt sich die Debatte indes zu. Wirtschaftsminister Wolfgang Clement hat sich gegen eine generelle Arbeitszeitverlängerung ausgesprochen. Entscheidungen dazu müssten von Branche zu Branche, von Betrieb zu Betrieb getroffen werden.

Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel erwartet dagegen, dass die Wiedereinführung der 40-Stunden-Woche bei Siemens "viele Nachahmer" findet. Sie bezeichnete Siemens als "Eisbrecher". Siemens hatte in der Vorwoche als erstes Großunternehmen in Deutschland eine Vereinbarung mit der Gewerkschaft erzielt, wonach rund 5000 Beschäftigte in zwei Werken statt 35 künftig 40 Wochenstunden arbeiten - ohne Lohnausgleich, aber für eine zweijährige Beschäftigungsgarantie.

300 Unternehmen zeigen Interesse

Laut einem Bericht der Zeitung Die Welt haben bereits 300 Unternehmen in Deutschland Interesse an einer Arbeitszeitverlängerung angemeldet. Den Anfang machten die Arbeitgeber im Baugewerbe am Montag. Sie wollen bei den Tarifverhandlungen eine Arbeitszeitverlängerung von 39 auf 42 Stunden pro Woche durchsetzen. "Wenn das Monatsnetto gleich bleibt, sind drei Stunden Mehrarbeit zur Sicherung der Arbeitsplätze zumutbar", so der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes, Karl Robl.

Die IG Metall, die der Siemens-Regelung zugestimmt hat, weist nun Forderungen nach einer generellen Arbeitszeitverlängerung scharf zurück. "Das wäre das größte Jobvernichtungsprogramm der Nachkriegsgeschichte", sagte Gewerkschaftschef Jürgen Peters. Die Zahl der Arbeitslosen würde sehr rasch von 4,5 auf sechs Millionen steigen. (afs, miba, APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Bei Airbus ist die Arbeitszeitverlängerung auch ein umstrittenes Thema.

Share if you care.