Verkauf der Bank Burgenland geplatzt

8. Juli 2004, 15:44
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Der schon fast fix scheinende Verkauf der Bank Burgenland an die Hypo Alpe-Adria kommt nicht zustande

Klagenfurt/Eisenstadt/Wien – Knalleffekt in der unendlichen Geschichte des Verkaufs der Bank Burgenland: Die Klagenfurter Hypo Alpe-Adria- Bank AG kauft die Bank nun doch nicht. Das gab der Vorstandsvorsitzende der Kärntner Hypo, Wolfgang Kulterer, am Montag bekannt.

Der Rückzieher trifft das Land Burgenland ins Mark: Der erhoffte Verkaufserlös (das Land ging von 100 Mio. Euro aus, ließ dann scheibchenweise nach) fehlt dem Landesbudget. Die burgenländischen Grünen forderten einen "Kassasturz, der auch das Landesbudget einschließen muss", so Klubobfrau Grete Krojer. Den Grund für seinen Rückzug beschrieb Kulterer so: Es habe sich herausgestellt, "dass eine wesentlich höhere Ressourcenbildung seitens des Managements notwendig gewesen wäre, als ursprünglich anzunehmen war. Um die Kultur der Bank Burgenland in kurzer Zeit an die Unternehmenskultur der Hypo Alpe-Adria anzugleichen, wären enorme Anstrengungen notwendig gewesen." Und zum Finanziellen: "Die seitens des Verkäufers gestellten Bedingungen waren aus unserer Sicht nicht akzeptabel."

Druck aus Kärnten?

Während so mancher Involvierte mutmaßt, dass "die Kärntner mit diesem Donnergrollen versuchen, Druck für günstigere Kaufbedingungen zu erzeugen", behauptet Kulterer dezidiert das Gegenteil: "Die Hypo Alpe-Adria geht nicht ins Burgenland."

Wie es mit der Bank, die durch die Hom-Rusch-Kreditpleite ins finanzielle Out geschlittert war, weitergehen soll, ist derzeit noch unklar. Schließlich steckt die Bank mitten in Umbauarbeiten, die Vorjahresbilanz war durch hohe Wertberichtigungen und "Zinslosstellungen" aus der Vergangenheit noch schwer belastet. Positiv bilanzieren konnte das in Landeseigentum stehende Institut nur wegen der Schadenersatzzahlung eines Wirtschaftsprüfers in der Höhe von rund acht Mio. Euro. Das Betriebsergebnis hat sich auf 4,4 Mio. Euro halbiert.

Fehlspekulationen

Was den gedeihlichen Verkauf der "roten" Bank an die vier definitiven Bieter (neben den Kärntnern waren das Raiffeisen, Bawag-PSK und die niederösterreichische Hypo) auch nicht erleichterte: im März tauchten Fehlspekulationen mit Swapgeschäften auf, die bis zu 15 Mio. Euro kosten könnten. Und: Seit Wochen ist in der Branche davon die Rede, dass die Bank mindestens 30 Mio. Euro frisches Eigenkapital braucht.

Genau das könnte nun, da die Käufer verschwinden wie das Wasser aus dem Neusiedler See, ein zusätzliches Problem für das Land Burgenland werden. Die Finanzmarktaufsicht kann Bankeigentümer zwingen, für die nötige Kapitalausstattung zu sorgen. Derzeit ist damit zu rechnen, dass das Burgenland zu einem Nachschuss verdonnert wird.

Kapitalbedarf von 30 Millionen Euro

Ein Bankmanager bestätigt den Kapitalbedarf: "Wenn wir nicht verkauft werden, werden wir unserem Eigentümer die Zusage über 30 Mio. Euro abringen. Mit diesem Geld, und das ist die Untergrenze, bekommt die Bank Spielraum." Für den Eigentümer sei das alles gar nicht so schlecht: "Die Bank kann in Ruhe arbeiten und das Land, wenn das Institut saniert ist, in aller Ruhe einen Käufer suchen."

Dass es doch noch zu einem Schnellschuss kommt und die rote Gewerkschaftsbank Bawag/PSK politisch dazu gestreichelt wird, im Burgenland einzusteigen, ist unwahrscheinlich. "Die Bawag hat sich geistig längst von dem Kauf verabschiedet", so ein Wiener Banker. Verkauf oder Nichtverkauf: Selbst der geplatzte Deal kostet das Land eine Stange Geld: Die Honorare von Rechtsanwälten und der Investmentbank HSBC werden in jedem Fall fällig. Sie betragen etliche hunderttausend Euro. (Renate Graber, DER STANDARD Printausgabe 29.06.2004)

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    Vorstandsvorsitzender Kulterer der HYPO ALPE-ADRIA-Bank AG will die Bank Burgenland nicht mehr.

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