Bezirksrätin Maria Kordik: "Punks sind doch nicht gefährlich"

22. März 2005, 14:59
50 Postings

Maria Kordik, SPÖ-Bezirksrätin in Mariahilf, kümmert sich um die Punks im Bezirk. Die jungen Konsumverweigerer seien keineswegs kriminell, sondern im Gegenteil sehr hilfsbereit

Standard: Können Sie die "Angst" vor Punks verstehen?

Kordik: Absolut nicht. Punks sind doch nicht gefährlich. Das wird den Menschen nur eingeredet, von Leuten, die keine Ahnung haben. Was man nicht kennt, das fürchtet man. Punks sind auch nicht kriminell. Sie haben aufgrund ihrer gesellschaftlichen Erfahrungen eben einen anderen Weg gewählt. Die Geschäftsleute stellen die Punks vor ihren Kunden als Gefahr dar – das ärgert mich. Ich möchte eine Aktion "Keine Angst vor Punks" starten.

Standard: Wie sehen Sie die Punks?

Kordik: Sie sind freundlich und hilfsbereit. Viele Leute lassen das aber nicht zu. Sie lassen sich nicht von ihnen helfen, sei es, wenn man ein mal stolpert. Da weichen die meisten eher zurück.

Standard: Was ist es dann, was den Leuten Angst macht? Kordik: Was die Punks für ihre Betrachter so gefährlich macht, sind die vielen Spitzen in der Frisur und die Nieten. Aber das sind keine Waffen. Ich sehe das als ein Zeichen für "tu mir nichts".

Standard: Wie wichtig ist die Gruppe für Punks?

Kordik: Punks können nur in der Gruppe überleben. Die meisten sind obdachlos, dann werden sie einmal krank, oder haben Depressionen – sie helfen sich dann gegenseitig.

Standard: Wollen die Punks überhaupt in die Gesellschaft integriert werden?

Kordik: Nicht unbedingt. Sie sind Konsumverweigerer und würden am liebsten für sich selbst sorgen, minimalistisch leben – sie brauchen nicht viel. Zumindest vorläufig wollen sie so leben wie jetzt – es ist nicht gesagt, dass sie das ihr ganze Leben durchführen. Die Punks, mit denen ich zu tun habe, sind zwischen 19 und 28 Jahren – manche also schon eher alt für Punks. Aber sie sind darin stecken geblieben, weil niemand bereit war, ihnen andere Wege zu zeigen.

Standard: Was könnte man Ihrer Meinung nach für sie tun?

Kordik: Man sollte ihnen ein Haus geben. Die Punks brauchen ein Dach über dem Kopf – besonders im Winter. Denn es passiert schon, dass jemand den Winter nicht überlebt – das liegt auch in der Verantwortung der Stadt. Doch in nächster Zukunft schaut es dafür eher schlecht aus.

ZUR PERSON: Maria Kordik, geb. am 21. 9. 1946 in Mariahilf, ist Mutter dreier erwachsener Kinder und auch Oma.

Von Isabella Hager
  • Artikelbild
Share if you care.