Mir san a Opfer

9. Juli 2004, 14:19
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Schüssels Chancen waren von Anfang an äußerst bescheiden - von RAU

Schüssels Chancen sind noch intakt. Schüssel hat beim Poker um den EU-Präsidenten noch gute Karten. Es schaut zwar so aus, dass es wer anderer wird, aber Schüssel ist doch noch als Außenseiter im Rennen. So lauteten die Schlagzeilen bis ganz zuletzt. – Die Wahrheit ist, dass Schüssels Chancen von Anfang an äußerst bescheiden und schon seit Wochen praktisch mit Null anzusetzen waren – aus zwei Gründen: Franzosen und Deutsche haben ihm die "Koalition mit einer rechtsextremen Partei" (eine Mitarbeiterin Chiracs) nicht verziehen.

Im Europäischen Parlament hat sich die Spitze der Sozialdemokratie und der grüne Opinionleader Daniel Cohn-Bendit aus demselben Motiv massiv gegen Schüssel ausgesprochen.

Das genügte, um seine Wahl praktisch unmöglich zu machen. Es blieb nur eine ganz geringe Restwahrscheinlichkeit. Die meisten unserer Journalisten wussten das natürlich. Einige, wie z.B. hier im Standard, schrieben es auch. Der Großteil schwelgte in patriotischen Phantasien. Und jetzt sind wir wieder das Opfer. Aber nicht das Opfer welscher Tücke, sondern der Neigung, uns selbst zu belügen. Das war mit Waldheim so, mit den "Sanktionen" und nun mit Schüssel. (DER STANDARD, Printausgabe, 29.6.2004)

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