"Club Jörg" wendet sich von Haider ab

1. Juli 2004, 19:49
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Die engsten Freunde des Kärntner Landeshauptmanns sind mit der Regierungsumbildung unzufrieden - Fischl: "Jetzt ist Schluss"

Wien - Selbst die engsten Weggefährten Jörg Haiders wollen jetzt, nachdem er sich abermals scheute, die Parteiführung zu übernehmen, nichts mehr von ihm wissen. "Jetzt ist Schluss", sagt Harald Fischl, "wenn er nicht will, macht es keinen Sinn mehr." Jetzt müsse eben auch ein neuer Inhalt für den "Club Jörg", gefunden werden, sagt Club- Präsident, Unternehmer und Ex-FP-Nationalratsabgeordneter Fischl. Über die Zukunft des Clubs beriet der Club-Vorstand Montagabend.

Das Motiv des 2003 gegründeten Clubs, den Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider wieder an der Parteispitze zu bringen und ein Comeback zu organisieren, habe sich erledigt. Haider habe sich nach ersten Zusagen "schon wieder geweigert, die Verantwortung für die Partei zu übernehmen".

Fischl: "Unsere Euphorie ist einer Ernüchterung gewichen. Wir sind schwer irritiert, weil er dem Ruf der Partei schon wieder nicht gefolgt ist. Zuerst hat er signalisiert, dass er es machen wird - jetzt will er nichts mehr davon wissen." Jörg Haider habe "seine engsten Freunde, die für ihn gerannt sind" schwer enttäuscht. Fischl ist überzeugt, dass Haider die FPÖ durchaus noch einmal hätte "retten" können, nun aber "wurde nur das Leiden verlängert".

Fischl erinnert daran, dass Haider schon einmal, rund um den legendären Knittelfelder Parteitag seinen Getreuen zu verstehen gegeben habe, die Partei wieder übernehmen zu wollen, wovon er wenig später wieder abrückte.

Karl Wimleitner, auch Grün^dungsmitglied des Club Jörg, wollte am Montag vor der Sitzung des Clubs noch nicht sagen, ob sich der Verein auflösen solle oder nicht. Ihn ärgere vielmehr, dass "jetzt die Leute, die sich Haider weg^gewünscht haben, nun wieder seine Nähe suchen". Das sei "einfach nicht in Ordnung".

Wiens Landesparteiobmann Heinz-Christian Strache ist von Haiders Engagement als Konsulent dagegen sehr angetan: "Seitdem der Herr Landeshauptmann Konsulent ist, spürt man das große Wollen."

"An Menschen vorbei"

Für Strache geht es jetzt um die sozialpolitische Neuausrichtung der Partei: "Die Politik geht doch heute am Wollen der Menschen vorbei, an ihren Ängsten - etwa um den Arbeitsplatz."

Personelle Fragen seien zweitrangig, aber: "Schon zu Verwunderung" habe in der starken Wiener Landespartei die Ablöse des einzigen Wiener Regierungsmitglieds, Reinhart Waneck, geführt.

Ob die Wiener FPÖ zum Ausgleich einen der frei werdenden Bundesparteiobmannstellvertreterposten (Thomas Prinzhorn und Magda Bleckmann räumen ihre Sitze) verlangen werde? Strache: "Es wäre notwendig, mit großer demokratischer Breite die Diskussion zu pflegen. Aber diese Frage ist nicht an mich herangetragen worden - zu beantworten ist sie, wenn sie gestellt würde." (mue, pm, cs/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.6.2004)

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    Der "Club Jörg" nach der konstituierenden Sitzung im März des Vorjahres: Wolfram Fössl, Ewald Stadler, Präsident Harald Fischl, Karl Wimleitner und Heinz Ivan (von links nach rechts).

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