Afghanistan: Zwei Wahlhelferinnen gezielt getötet

8. Juli 2004, 21:05
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Taliban bekennen sich zu "Sabotage" gegen bevorstehende freie Wahlen

Islamabad/Kabul - In Afghanistan haben Taliban-Rebellen erstmals gezielt Wahlhelferinnen angegriffen und im Osten des Landes zwei Frauen getötet. Auch das Kind einer Wahlhelferin sei bei dem Bombenanschlag auf einen Bus mit den Frauen am Samstag bei der Stadt Jalalabad ums Leben gekommen, meldete die afghanische Nachrichtenagentur AIP. Zwölf Menschen seien verletzt worden, fünf davon lebensgefährlich.

Wahl-Sabotage

Taliban-Sprecher Mufti Latifullah Hakimi kündigte weitere Angriffe an, um die für September geplanten ersten freien Wahlen Afghanistans "zu sabotieren". Präsident Karsai verurteilte den Anschlag. "Er zeigt erneut die Schwäche der Feinde Afghanistans, die Unschuldige angreifen", erklärte er. Karsai und die US-Streitkräfte haben vor einer Zunahme von Anschlägen vor den Wahlen gewarnt. Die Wahlhelferinnen waren zur Registrierung von Wählerinnen unterwegs.

Ein Taliban-Kommandant sagte AIP, die Rebellen seien auch für einen Angriff auf US-Streitkräfte in der ostafghanischen Provinz Kunar verantwortlich. Bei dem Angriff waren am Donnerstag nach US-Angaben zwei amerikanische Soldaten getötet worden. Der Rebellen-Kommandant sagte, auch vier Fahrzeuge der US-Truppen seien bei dem Hinterhalt zerstört worden. Er kündigte eine Zunahme von Angriffen gegen die US-geführten Koalitionstruppen an.

NATO-Truppen zur Sicherung der Wahl

Der Vorfall ist ein weiterer Rückschlag für Karsai. Der Präsident und UNO-Generalsekretär Annan hatten erst am Freitag an die NATO appelliert, ihr Versprechen zu erfüllen, weitere Truppen nach Afghanistan zu entsenden, um die Wahlen zu sichern. Am Samstag warnte auch der EU-Außenbeauftragte Solana vor einem Scheitern des Afghanistan-Einsatzes.

Einer der Schwerpunkte des NATO-Gipfels in Istanbul am Montag und Dienstag soll die Ausweitung der von der NATO kommandierten Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (ISAF) sein. Ziel ist es, die deutschen regionalen Wiederaufbauteams in Afghanistan (PRT) durch ähnliche Teams anderer NATO-Staaten zu ergänzen.

16 Tote nach Anschlägen auf WählerInnen

Bereits am Freitag haben Taliban-Anhänger nach Behördenangaben 16 Menschen getötet, nachdem sie bei ihnen Karten zur Registrierung für die Wahl im September entdeckt haben.

Im Bezirk Chas Urusgan im Zentrum des Landes wurden 16 Menschen getötet, nach dem Taliban-Anhängerer Karten zur Wahlregistrierung bei ihnen gefunden hatten. Die Freischärfler stoppten einen Bus mit 17 Zivilisten, sagte ein Vertreter des Bezirks am Sonntag. Sie hätten die Reisenden in die benachbarte Provinz Sabul verschleppt. Dort hätten die Taliban alle Zivilisten bis auf einen getötet. "Sie wurden ganz offensichtlich umgebracht, weil sie die Registrierungskarten bei sich hatten."

Weitere Anschläge angekündigt

Rund 4,5 Millionen der fast zehn Millionen Wahlberechtigten haben sich bereits registrieren lassen. Doch vor allem in den konservativ geprägten Provinzen im Süden und Osten geht die Registrierung nur sehr schleppend voran. In diesen Regionen sind auch die Taliban-Kämpfer und verbündete Moslem-Extremisten besonders aktiv. Das US-Militär hat vor weiteren Anschlägen vor den Wahlen gewarnt. (APA/dpa/ag.)

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    Die WählerInnen-Registrierung im Vorfeld der Wahlen im Herbst ist eine organisatorische Herausforderung für das verarmte Afghanistan.
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