Erstmals in Film­geschichte erobert Polit-Doku US-Kinocharts

29. Juli 2004, 11:32
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Moore dankt seinen Gegnern für die Publicity

New York - Nach dem Riesenerfolg des gegen die Bush-Regierung und deren Irak-Krieg gerichteten Dokumentarfilms "Fahrenheit 9/11" hat der linke US-Regisseur Michael Moore seinen politischen Gegnern gedankt. Mit Boykottaufrufen und öffentlichen Schmähungen hätten sie das Interesse an dem Streifen erheblich angefacht, sagte er am Sonntag im Gespräch mit Kinobesuchern vor einem Filmtheater in Manhattan.

Erster Regisseur der Filmgeschichte, der politischen Dokumentarfilm an Spitze des US-Kinos bringt

Mit "Fahrenheit 9/11" gelang es Moore als erstem Regisseur der Filmgeschichte, einen politischen Dokumentarstreifen auf den Spitzenplatz der amerikanischen Kino-Hitparade zu bringen. Etwa drei Millionen Amerikaner bescherten dem Film, in dem US-Präsident George W. Bush und sein engsten Mitarbeiter als Kriegstreiber hingestellt werden, von Freitag bis Sonntagabend Kasseneinnahmen von etwa 21,8 Millionen Dollar (rund 18 Millionen Euro).

Damit könne der Streifen "wahrhaftig als Amerikas Film" bezeichnet werden, sagte der Direktor der Verleihfirma Lions Gate, Tom Ortenberg. Der Dokumentarfilm, mit dem Moore erklärtermaßen die Wiederwahl Bushs zu verhindern hofft, setzte sich gegen Hollywood-Spielfilme durch, die in drei Mal mehr Kinos angeboten wurden - und dennoch weniger Zuschauer hatten. "Fahrenheit 9/11" lief landesweit in 868 Kinos, während andere Streifen in mehr als 2500 Filmtheatern gezeigt wurden.

Auch in Republikaner-Regionen gab es Spitzenbesucherzahlen

Rund 16 Wochen vor der US-Präsidentschaftswahl erzielte "Fahrenheit 9/11" auch in Bundesstaaten, die als überwiegend Republikaner-freundlich gelten, Spitzenbesucherzahlen. So waren Vorstellungen des Films, der den Irak-Krieg scharf kritisiert, jedoch Sympathie mit einzelnen US-Soldaten und deren Familien zeigt, nach Angaben der Verleihfirma auch in Städten unweit von Militärstützpunkten ausverkauft. Dazu gehörte die Stadt Fayetteville beim Luftwaffenstützpunkt Fort Bragg (North Carolina).

Schon jetzt läuft Doku besser als Oscar-prämiertes "Bowling for Columbine"

"Fahrenheit 9/11" spielte in nur drei Tagen mehr Geld ein als Michael Moores im vergangenen Jahr mit einem Oscar ausgezeichneter Film über die amerikanische Waffenlobby "Bowling for Columbine". Dieser Streifen, der bereits als einer der finanziell erfolgreichsten Dokumentarfilme der US-Kinogeschichte galt, hatte während seiner neun Monate währenden Laufzeit in insgesamt 250 Kinos 21,5 Millionen Dollar in die Kassen gebracht. (APA/dpa)

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