Alternative Telefon-Anbieter wollen gegen neuen Tarif der TA klagen

5. Juli 2004, 11:24
3 Postings

"Tarif TikTak Privat Neu" der Telekom Austria könnte schon bald vor dem Kartellrichter landen

Die größten alternativen Telefon-Netzbetreiber überlegen, gegen den neuen Tarif "TikTak Privat Neu" der Telekom Austria die Bundeswettbewerbsbehörde einzuschalten, berichtet das Wirtschaftsmagazin "trend" in seiner am Dienstag erscheinenden Ausgabe. Der Chef der Telefongesellschaft eTel und gleichzeitig Vizepräsident des Verbands Alternativer Telekom-Netzbetreiber (VAT), Achim Kaspar, erklärte gegenüber "trend" demnach: "Wir prüfen gerade, ob der Tarif den Rechtserfordernissen entspricht."

Kritik

Die Argumentation: Wenn die Spanne zwischen dem Wiederverkaufspreis der Gesprächsminuten, den die Alternativen an die TA zu zahlen haben (Interconnection-Gebühr) und dem von der TA an die eigenen Endkunden verrechneten Preis zu gering sei, hätten die alternativen Betreiber keine Chance mehr, am Markt mitzumischen. Denn auf den Wiederverkaufspreis müssen die Alternativen ja noch die eigenen Kosten dazu rechnen, und damit wäre es schwierig, mit den Endkundentarifen der TA mithalten zu können - was gegen die regulatorischen Vorgaben wäre.

Während nun Regulator Georg Serentschy davon ausgeht, dass "den Alternativen immer noch Spannen von 15 Prozent in der Freizeit und bis zu 200 Prozent in der Geschäftszeit zur Abdeckung ihrer eigenen Netz- und sonstigen Kosten verbleiben", was ausreichend sei, meint Kaspar: "15 Prozent reichen da sicher nicht". Und VAT-Präsident und UTA-Vorstandsmitglied Romed Karre assistiert: "Der Abstand müsste mindestens 25 Prozent wie in Deutschland betragen, eher aber 30 Prozent."

Gerichtlich

Damit könnte dieser Streit um die Tarife der nächste Fall für das Kartellgericht werden, das erst im März das Angebot von Freiminuten im Rahmen eines bisherigen TikTak-Tarifs untersagt hat. "Da die erste Instanz eher um den Ausgleich bemüht ist, müssen wir jetzt wieder auf das Gericht setzen", erklärt Karre. "Das könnten wir uns alles ersparen, wenn wir insgesamt auf dem Telekom-Markt entsprechende Regeln und einen Schiedsrichter hätten, der langfristig ein faires Match ermöglicht und auch den Mut hat, zum richtigen Zeitpunkt einen Elfer zu pfeifen."

Der Vorstandsdirektor der Telekom Austria, Rudolf Fischer, erklärt dazu, "dass man sich das bei der Regulierungsbehörde schon genau durchgerechnet hat". Generell fordert er gerade auch in dieser Hinsicht, dass die Regulierung im Endkundenbereich, da nunmehr bereits genügend Wettbewerb am Telekom-Markt herrsche, ein Ende haben und nur noch das normale Wettbewerbsrecht gelten solle. Fischer: "Wir brauchen eine Rechtssicherheit. Es kann nicht sein, dass in einer Nachbetrachtung eine Behörde das aufweicht, was vorher eine andere Behörde entschieden hat." (APA)

Share if you care.