Gericom will unabhängig bleiben

2. Juli 2004, 14:21
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Pierer: "Brauchen Medion-Geld nicht mehr" - Deal für Deutsche noch nicht geplatzt

Der oberösterreichische Notebook-Hersteller Gericom will den Einstieg des deutschen Elektronikgroßhändlers Medion jetzt offenbar nachträglich vereiteln und pocht auf seine Unabhängigkeit: Gericom brauche die Geldspritze nicht mehr. Medion sieht den Deal aber noch nicht als geplatzt an.

"Der eigentlich logische Schritt"

Gericom-Aufsichtsratschef Stefan Pierer erklärte am Freitagabend: "Der eigentlich logische Schritt" - der im März vereinbarte Medion-Einstieg mit 24,9 Prozent - "stellt sich inzwischen als ein großer Nachteil für Gericom heraus." Lieferanten und Kunden von Gericom seien wegen des Einstiegs von Medion extrem verunsichert, wozu das deutsche Unternehmen selbst beigetragen habe, so Pierer laut Reuters. Zudem brauche Gericom die Finanzspritze nicht mehr.

Laut Pierer fühlt sich der Gericom-Gründer, -Großaktionär und -Vorstandschef Hermann Oberlehner fühle "in den Irrtum geführt". Aus Oberlehners Sicht sei Medion beim Verkauf vereinbarten Bedingungen nicht nachgekommen. Dagegen hält Medion einer Mitteilung zufolge ihre Verpflichtungen für voll erfüllt. "Es gibt einen rechtsgültigen Vertrag, bei dem wir unseren Teil erfüllt haben," sagte Medion-Finanzchef Christian Eigen.

Pierer meinte dagegen, der Streit zwischen den beiden Aktionären müsse vor einem Schiedsgericht geklärt werden. Das dauere in der Regel aber 14 bis 16 Monate. Oberlehner hielt vor dem Anteilsverkauf mehr als 60 Prozent an Gericom, danach sollte sein Anteil auf unter 40 Prozent sinken.

Das Geld von Medion wollte Oberlehner ursprünglich dem 1990 von ihm gegründeten und 1999 an die Börse gebrachten Unternehmen zu Gute kommen lassen. Gericom sei auf die Finanzspritze aber inzwischen nicht mehr angewiesen, betonte Pierer. Das Geld liegt derzeit auf einem Treuhandkonto. Das Geschäft von Gericom habe sich aber im zweiten Quartal 2004 erholt, und dies werde sich im dritten fortsetzen.

Beide Unternehmen hatten sich von dem Einstieg Medions hohe Synergien versprochen. Noch Ende Mai hatte Oberlehner erklärt, einen gemeinsamen Komponenten-Einkauf und Service mit Medion zu prüfen. "Es gab keine Synergien im Einkauf", stellt Pierer nun fest.

Pierer warf Medion am Freitagabend indirekt vor, bei Lieferanten und Kunden den falschen Eindruck erweckt zu haben, Gericom sei nur noch eine Tochterfirma, und ihr damit "extrem geschadet" zu haben. Gericom und Medion beliefern im Wesentlichen die gleichen Kunden, unter anderem große Discount- und Einzelhandelsketten.

"Der Einstieg bei Gericom ist damit aber nicht geplatzt", betonte dagegen am Abend Medion-Finanzvorstand Eigen. Ob es laufende Gespräche mit Oberlehner gebe, wollte er nicht sagen. "Wir müssen jetzt erst mal abwarten, was die Klage bringt."

Die im SDax notierten Gericom-Titel gaben am Freitag 6,54 Prozent auf 5,00 Euro nach. Daraus resultiert für Gericom eine Marktkapitalisierung von 13,0 Mio. Euro. Die im MDax gelisteten Medion-Papiere legten dagegen 0,8 Prozent auf 32,35 Euro zu.(APA)

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    Stefan Pierer wider Medion.

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