Lügende Lügner und Nestbeschmutzer

2. September 2004, 19:39
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Schreiduelle in den Nachrichten: Wie die Rechte die Lufthoheit im TV übernahm

In den USA ist auch das Publikum von TV-Nachrichtensendungen "zunehmend polarisiert, fragmentiert und skeptisch", wie eine soeben veröffentliche Untersuchung des Pew Research Centers ergab.

Die wachsende Zahl von Nachrichtenkanälen mit eindeutiger politischer Ausrichtung habe dazu geführt, dass sich die Bürger ihrer eigenen Meinung entsprechende Sendungen anschauen. Die Zeiten, als die ganze Nation vor den um Ausgewogenheit bemühten Nachrichten der großen Senderketten ABC, CBS und NBC saß, sind vorbei.

Nun sehen alle Kabel-TV-Nachrichten, aber nur 26 Prozent der Republikaner halten die als "liberal" (im amerikanischen Sinn: eher links) geltende CNN für glaubwürdig, heißt es in der Studie. Umgekehrt betrachten nur 24 Prozent der Demokraten Bushs Lieblingssender Fox News (aus dem Imperium des Australiers Rupert Murdoch) für eine "seriöse Nachrichtenquelle". Mehr als die Hälfte aller Befragten gab an, den Medien generell nicht zu trauen.

"Es gibt zu viele Schreiduelle, zu viel Meinungsjournalismus", beklagt sich John King von CNN. Ironischerweise war es gerade dieser Sender, der als erster die Studiotür für populistische Schreier geöffnet hat. Wegen der guten Show ließ CNN etwa Pat Buchanan, einen ehemaligen Redenschreiber Präsident Nixons, gegen Liberale antreten.

Auf MSNBC und in dem stark wachsenden Sender Fox News sind rechte Kommentatoren nun in der Übermacht. Der Bestsellerautor David Brock, der früher selber für rechte Medien schrieb, bis er sich von ihnen abgewandt hat, zeichnet in seinem neuen Buch "The Republican Noise Machine" nach, wie diese Partei die ihr generell als links verdächtigen Medien umgedreht hat. Mit dem Geld reicher Anhänger, die zahlreiche Think Tanks finanzierten (Heritage Foundation, American Enterprise Institute), päppelte sie weit rechts angesiedelte Journalisten hoch, die sie dann, mit dem Ruf nach "Ausgewogenheit", in die Mainstream-Programme presste. Bush-Kritiker wie Michael Moore werden dort als Nestbeschmutzer und "Amerikahasser" abgetan.

Der Autor Al Franken, wie Moore eher dem politischen Kabarett zuzurechnen, schlägt nun zurück. Nachdem er in Büchern den rechtspopulistischen Radiostar Rush Limbaugh als "fetten Idioten" und Fox-Journalisten als "lügende Lügner" bezeichnet hatte, startete er nun "Air America", sein eigenes, zunächst im Radio laufendes Programm. (est/DER STANDARD, Printausgabe, 26.6.2004)

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