Begreifen und begreiflich machen

2. Juli 2004, 20:59
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Wo Mediatoren ausgebildet, wo und warum sie gebraucht werden

Es sei eine "sehr bunte Gruppe" gewesen, die sich zum ersten Universitätslehrgang "ECM - Exhibition and Cultural Communication Management" an der Universität für angewandte Kunst in Wien eingefunden hat. Das habe sich auch in der Themenvielfalt der Abschlussprojekte niedergeschlagen. Renate Goebl, Kunsthistorikerin und Leiterin von ECM, zieht eine überwiegend positive Bilanz über den ersten Lehrgang, der gerade zu Ende geht. "Zum Beispiel ist das Vermittlungsprogramm, das Studenten für die Ausstellung ,Körpergedächtnis' im Museum für Volkskunde entwickelt haben, erfolgreich umgesetzt worden. Ebenso gelungen scheint mir das kulturelle Nutzungskonzept für den ehemaligen Sender Dobl bei Graz, über das allerdings noch nicht entschieden wurde", resümiert Renate Goebl.

Der postgraduale, berufsbegleitende Lehrgang setzt dort an, wo auch das frühere Institut für Kulturwissenschaft unter Goebl und Dieter Bogner gearbeitet hat: an der Schnittstelle zwischen geistiger Produktion - Wissenschaft, Kultur, Kunst - und deren Kommunikation sowie zwischen Theorie und Praxis. Es sollen Mediatoren im weitesten Sinn ausgebildet werden. Im Vordergrund steht die inhaltliche Professionalisierung inklusive Kriterien visueller Gestaltung und Umsetzungsstrategien. (Am Institut für Kulturmanagement IKM der Universität für Musik und darstellende Kunst stehen laut Goebl die Managementfunktionen stärker im Vordergrund, es gebe ein kooperatives Verhältnis mit gegenseitigen Empfehlungen je nach den Bedürfnissen der Bewerber.)

Im ersten Anlauf hat ECM Geisteswissenschafter, Architekten und Designer, Künstler und auch Quereinsteiger angezogen. "Was wir uns wünschen", sagt Goebl, "ist ein größerer Anteil an Naturwissenschaftern und Technikern. Gerade hier wird eine professionelle Wissensvermittlung immer wichtiger."

Bis 30. Juni läuft noch die Bewerbungsfrist für den nächsten Lehrgang, für den bereits Kooperationspartner gefunden wurden. Etwa die oberösterreichischen Landesmuseen und die Wiener Angewandte. Und von der Galerie der Forschung der Akademie der Wissenschaften gibt es eine entsprechende Absichtserklärung.

Zudem haben die Galerie-Planer vergangene Woche das Thema selbst aufgegriffen. Auf einer Veranstaltung für Mediatoren stellte Galerie-Direktor Raoul Kneucker die "konvergierenden Technologien Nano-Bio-Info-Cogno" vor, die Anfang Dezember auf einem Akademie-Symposium diskutiert werden. Um das Thema in seiner Komplexität zu begreifen und begreiflich zu machen, sei ein "Awareness-Programm für kritischen Dialog" vonnöten.

Wolfgang Heckl vom Center for Nanoscience der Uni München tat einen ersten Schritt, er vermittelte mithilfe von Power Point, Kurzfilmen, Zitaten und bildhaften Vergleichen die durchaus auch ungemütlichen Ausblicke auf die "neue Leitwissenschaft Nanotechnologie". Nicht Jasager seien gewünscht, betonte Kneucker, sondern kritische Partner. Zum Symposium sind auch Vertreter von Greenpeace und der ETC-Group geladen. (Michael Freund/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26./27. 6. 2004)

ECM-Roundtable-Gespräch über "Neue Wege in der Kultur- und Wissenschaftskommunikation": Samstag, 26. 6., 14.30 bis 16.30 Uhr, 1010 Wien, Heiligenkreuzer Hof, Stiege 8; anschließend Graduierungsfeier.
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