Teleshopping: "Immer alles ausverkauft"

1. Juli 2004, 23:22
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Egal ob Deutschland oder Österreich: Von der Couch aus greift man gerne zu

Beim Anblick des Mixers "Ultimative Chopper" werden Fernsehzuschauer quer durch alle Länder schwach. Die "Zauber Panti-Hose" schmälert österreichische, Schweizer und deutsche Hüften gleich gut. Und auf Stutenmilchprodukte greift man hierzulande genauso gern zurück wie im angrenzenden Ausland. Es kann gar nicht anders sein: Teleshopping überwindet nationale Grenzen. Gekauft wird da wie dort einfach alles.

Jedes Jahr aufs Neue überschlagen sich die Teleshopping-Anbieter mit Meldungen über Rekordzahlen mit bis zu zweistelligen Wachstumsraten. Während die Fernsehwerbung stagniert, nähert sich der Umsatz der Teleshoppingbranche zumindest in Deutschland der Milliardengrenze. Der Marktführer QVC etwa gibt für 2003 stolze 378 Millionen Umsatz und 30-prozentiges Wachstum an. "Höhere Einschaltquoten als Arte" zählt die Unternehmensberatung Goldmedia bisweilen. Dass die Produkte zumeist abwertend belächelt werden, das Programm gemeinhin überzappt wird, lässt sich so gut verkraften.

"Beauty, Wellness, Sport und Schmuck"

Und Österreich? Unterscheidet sich nur in Nuancen, glaubt man den Unternehmen. Home Shopping Europe erreicht über Kabelfernsehen etwa 64 Prozent der österreichischen Haushalte. Von 308 Millionen Euro Umsatz im Vorjahr entfielen 23 Millionen auf den heimischen Markt mit 660.000 Anrufen und 520.000 ausgelieferten Paketen. In Deutschland kommen 20 Prozent der insgesamt 5,5 Millionen Pakete zurück, ob die Österreicher ähnlich unentschlossen (oder unzufrieden, beides ist möglich) sind, bleibt unklar. "Beauty, Wellness, Sport und Schmuck", würde hierzulande besonders gern gekauft, erzählt eine Pressesprecherin. Wie hoch die treue, zumeist weibliche Kundschaft verschuldet ist, darüber gibt es freilich keine Auskunft.

"Läuft ein Produkt gut, haben wir in Deutschland am Tag 3000 Bestellungen, in Österreich 300. Auf die Bevölkerungszahl umgerechnet kaum ein Unterschied", rechnet WS-Shop-Geschäftsführer Bernhard Wendl vor. In Österreich ist der Shop im Privat-TV auf ATV+ und über Kabel auf DSF, RTL 2 und Vox zu sehen.

Österreichische Käufer wählerischer

Als "Teppichhändler, die immer ,alles ausverkauft' schreien", kritisiert Gerhard Illek vom Liechtensteiner Me-diashop die Konkurrenz. Der glänzt seit einer Woche drei Stunden täglich auf Wiens neuem Stadtsender Puls TV. Vom Boom will er nichts wissen, die Umsatzzahlen verfälschten die Lage: "Der Markt entwickelt sich im Moment nicht weiter, das hat mit der wirtschaftlichen Situation zu tun." Österreich hält Illek für stabiler, die Käufer allerdings für wählerischer.

Das könnte sich mit digitalem Fernsehen - in Graz bereits in Probe - bald ändern: Statt zum Telefon zu greifen, genügt dann der Knopfdruck. (Doris Priesching/DER STANDARD; Printausgabe, 26./27.6.2004)

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    grafik: der standard
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