Justizministerin Karin Miklautsch

    19. Oktober 2004, 18:47
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    Quereinsteigerin, die noch viel zu lernen hofft

    Jörg Haider hat sie noch abgesagt. Der Kärntner Landeshauptmann hatte im Februar des Vorjahres eine Büroleiterin gesucht und war dabei auf die engagierte Juristin aus der Wasserrechtsabteilung der Landesregierung gestoßen. Karin Miklautsch wollte damals aber nicht. Sie hat nach eigenen Angaben ein "entspanntes, korrektes Verhältnis" zu Haider.

    Als Ursula Haubner sich bei ihr meldete, weil sie eine Frau für das Justizministerium suchte, griff sie zu. Als Frau müsse man die Chancen auch annehmen, die einem geboten werden, erklärte Miklautsch. Dass sie bloß zweite Wahl als erste Frau an der Spitze dieses Ministeriums gewesen sein könnte, scheint sie nicht zu stören – es wurde auch allgemein dementiert. Haubner habe auch mit anderen Kandidatinnen gesprochen, aber Miklautsch sei ihr die liebste gewesen. Auch Vizekanzler Hubert Gorbach vesicherte, dass "bereits Mitte der Woche" die neue Ministerin fest gestanden sei und man den Bundespräsidenten dann entsprechend informiert habe, damit er sich ein Bild von der Ministerkandidatin machen könne.

    Es wird Thomas Klestil nicht gerade leicht gefallen sein, weil die Eisenbahner-Tochter bisher nur selten öffentlich in Erscheinung getreten ist. Politisch fast gar nicht: Obwohl ihr sozialer Hintergrund als SPÖ-nahe beschrieben wird, landete sie nicht bei der Sozialdemokratie – und der Kärntner Landeshauptmann-Partei FPÖ ist sie auch nicht beigetreten.

    Ihr auffallendstes politisches Engagement war ein frauenpolitisches: Seit zwei Jahren ist sie die regionale Präsidentin des ZONTA-Frauenklubs in Klagenfurt. In dieser Funktion hat sie unter anderem dafür gekämpft, dass die Kärntner Gebietskrankenkasse einen Vertrag mit einer Gynäkologin schließt, weil Gynäkologie dort ein männlich dominiertes Fach ist.

    Gender Mainstreaming ist für die 1964 in Graz geborene, geschiedene Ministerin auch in ihrem neuen Verantwortungsbereich ein zentrales Anliegen.

    Ehemalige Juristenkollegen können sich jedenfalls erinnern, dass "eine sehr karrierebewusste Frau mit Ellenbogen" im Jahr 1988 das Gerichtsjahr am Bezirksgericht Villach und am Landesgericht Klagenfurt abgeleistet hat. Drei weitere Jahre hatte sie als Konzipientin in einer Anwaltskanzlei verbracht – was sie selbstbewusst als "ich komme aus der Praxis" interpretiert.

    Ihre weitere Praxis ist allerdings Verwaltungspraxis: In der Kärntner Landesregierung befasste sie sich mit Wasserrecht und bewährte sich als Netzwerkerin auch über die Grenzen der Abteilung hinweg: Sie vertrat Kärnten unter anderem in Kirgisien, wo mit EU-Förderung eine Wasseraufbereitung installiert wurde. Im neuen Aufgabengebiet hofft sie noch viel zu lernen. (DER STANDARD, Printausgabe, 26.6.2004)

    von Conrad Seidl
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      Karin Miklautsch, Justizministerin

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