Imperium

7. Juli 2004, 17:39
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Der Krieg gegen den Irak wird kein Weltkrieg werden - doch gewisse Anzeichen von imperialer Überdehnung sind zu erkennen - von RAU

Ein großes Imperium wird von einem Häuflein Terroristen, die einer Erlösungs-Theologie folgen, empfindlich getroffen. Das Imperium schlägt mit einem Krieg zurück, dessen böse Folgen es nicht durchdacht hatte. Hier enden die Parallelen. Das österreichisch-ungarische Imperium reagierte auf die Ermordung des Thronfolgers Franz Ferdinand vor 90 Jahren (am 28. Juni 1914 in Sarajewo) durch bosnisch-serbische Terroristen mit einem Krieg gegen Serbien, der sich mit Pallawatsch und Justament zu einem Weltkrieg ausweitete.

Der Krieg gegen den Irak, den George W.Bush nach dem 11. September 2001 mit falschen Begründungen begann, wird nicht in einem Weltkrieg enden (es sei denn, man sieht das, was sich derzeit zwischen dem "Westen" und der arabisch-muslimischen Welt abspielt, bereits als Krieg). Die globale Rolle der USA ist auch weitaus weniger brüchig, als es damals die Österreichs in (Südost-)Europa war, aber gewisse Anzeichen von imperialer Überdehnung, imperialer Hybris und imperialer Sackgasse sind zu erkennen.

Vor 90 Jahren zeigte sich, wie fragil Imperien sein können – und dass die einzige Chance in demokratischen Mechanismen von Selbstkontrolle und Selbstkorrektur liegt. (DER STANDARD, Printausgabe 26./27.6.2004)

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