Ein EM-Sieger steht bereits fest: Adidas

1. Juli 2004, 18:48
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Der offizielle EM-Ball "Roteiro" rollte bisher sechs Millionen Mal über die Ladentische. Für Portugals Wirtschaft ist die EM bisher aber weniger lukrativ als erhofft

Herzogenaurach/Lissabon – Mehr als sechs Millionen Mal sei der offizielle Spielball der laufenden Fußball-Europameisterschaft, der "Roteiro", bisher verkauft worden, gab Hersteller Adidas bekannt. Damit hat er das Verkaufsergebnis seines Vorgängers "Fevernova", WM-Kugel anno 2002 in Japan und Korea, bereits übertroffen. Das silberne Stück soll nach wie vor der Nummer-eins-Geburtstagswunsch von Buben im fußballfähigem Alter sein.

Rekordumsätze erwartet

Bei einem Verkaufspreis von 110 Euro ist er nicht nur der meistverkaufte, sondern – wie schon der "Fevernova" zuvor – auch recht teuer: Es darf also von einem Bruttoumsatz mit der nahtlosen Wuchtel von mindestens 660 Millionen Euro im Handel ausgegangen werden. Branchenkenner sagen, davon fließt rund ein Drittel an den deutschen Sportartikelhersteller. Firmensprecher Jan Runau bestätigt: "Wir erwarten heuer Rekordumsätze." Laut eigenen Angaben ist Adidas mit 33 Prozent Marktanteil Tabellenführer bei Fußballartikeln. Nike ist den Deutschen aber hart auf den Fersen. Interessanterweise sind viele "Roteiro"-Kritiker bei Nike unter Vertrag.

Adidas-Bälle auch für EM 2008

Adidas ist heuer "offizieller Ausstatter", bei der WM 2006 im eigenen Land "offizieller Sponsor". Entwürfe für den 2006er-Ball gebe es schon, die seien natürlich höchst geheim, der Name stehe noch nicht fest, so Runau. Auch für die EM 2008 in Österreich und der Schweiz wird Adidas die Spielbälle produzieren.

In Österreich jubelt der Sporthandel auch über die spannende EM: Bei Marktführer Intersport Österreich liegen die Umsätze mit "Teamsport" heuer bei 15 bis 20 Prozent im Plus, so ein Sprecher zum Standard. Vom "Roteiro" – von der teuren Original-Version wie von der 25-Euro-Billigreplica – seien rund 12.000 Stück verkauft worden. Bei den Verkäufen von Originaldressen hat "bis jetzt noch" die der italienischen Squadra Azzurra geführt, gefolgt von den Oranjes (Holland) und der Seleção Português. "England war bisher nicht so der Renner."

Wenig Kick für Portugals Wirtschaft

Indessen hat das portugiesische Finanzministerium festgestellt, dass die EM der Volkswirtschaft einen weniger starken Drall verleihen wird. Die Tourismuseinnahmen würden laut einer aktuellen Studie zwar um 2,5 Prozent steigen. Das gesamte Bruttoinlandsprodukt wird von den Einnahmen durch das drittgrößte Sportevent der Welt – nach Olympia und WM – aber nur um 0,08 Prozentpunkte gepusht. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.06.2004)

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