Pius Strobl wird grüner Stiftungsrat

5. Juli 2004, 22:34
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Mit 18 von 31 Stimmen - Folgt Wolfgang Zinggl nach - Insgesamt vier Bewerber - Gegen "unverblümte Parteinahme", für "marktfähigen ORF"

Pius Strobl wird künftig die Grünen im ORF-Stiftungsrat vertreten. Er wurde am Freitag im erweiterten Bundesvorstand im ersten Wahlgang in diese Position entsandt, teilten die Grünen mit. Strobl erhielt 18 von 31 Stimmen, insgesamt gab es vier Bewerber, über die keine näheren Angaben gemacht wurden. Strobl ist kein Neuling im obersten Aufsichtsgremium des ORF: Zehn Jahre - bis 1999 - war er Mitglied im Kuratorium, dem Vorgänger des Stiftungsrats. Im Gespräch mit der APA kündigte er am Freitag an, er wolle "der ganz unverblümten Parteinahme der letzten vier Jahre" entgegenwirken und für einen "marktfähigen ORF" eintreten.

Im Gegensatz zum früheren Kuratorium ist der Stiftungsrat offiziell entparteipolitisiert. Strobl ist "gespannt, wie das in der Praxis ist". Im Unternehmen selbst aber ortet er "relativ unverblümtes Hineinregieren" der ÖVP. Wie so oft bekommt TV-Chefredakteur Werner Mück Kritik ab: "Was es mit dem Stiftungsrat Strobl nicht geben wird: Ein 'Report' vor den Landtagswahlen in Kärnten und Salzburg, wo die Grünen schlicht nicht vorkamen. Das kann nicht sein. Das schreibe ich schon jetzt dem Herrn Mück ins Stammbuch."

ORF "kokurrenzfähig am Markt lassen"

Medienpolitisch gelte es, "den ORF in den nächsten Jahren konkurrenzfähig und am Markt zu lassen", so der Ex-Bundesgeschäftsführer der Grünen weiter. Die Mediengesetzgebung habe derzeit "vielfach die Absicht, den ORF zu schwächen".

Strobl tritt im Stiftungsrat die Nachfolge von Wolfgang Zinggl an. Der nimmt als Abgeordneter den Sitz von Eva Lichtenberger im Nationalrat ein, Lichtenberger selbst wechselt für die Grünen ins EU-Parlament.

Der 35-köpfige Stiftungsrat setzt sich wie folgt zusammen: Sechs Mitglieder kommen von den im Nationalrat vertretenen Parteien, neun Räte werden von den Bundesländern entsendet, neun Mitglieder von der Bundesregierung, sechs vom Publikumsrat und fünf vom Zentralbetriebsrat des ORF. Umfassende Unvereinbarkeitsklauseln verhindern, dass - im Gegensatz zum früheren Kuratorium - Politiker sowie Angestellte politischer Parteien im ORF-Aufsichtsrat sitzen. (APA)

Nachlese

Grüne suchen Stiftungsrat - Nach STANDARD-Informationen befindet sich unter den Bewerbern Pius Strobl, früherer Bundesgeschäftsführer

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