"Im Nachhinein ist man immer klüger"

29. Juni 2004, 11:11
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Teil zwei des derStandard.at-Interviews mit Rudolf Fußi

derStandard.at: Wie sind Sie damals auf die Idee gekommen, ein Volksbegehren gegen Abfangjäger zu starten?

Fußi: Das war aus dem Bauch heraus, eine spontane Idee, so blöd das klingt. Ich war einfach angefressen, dass niemand etwas gegen diesen unglaublichen Wahnsinn unternimmt. Mir waren die SPÖ und die Grünen viel zu defensiv, mittlerweile haben wir ja die Themenführerschaft von den Grünen in diesem Feld übernommen. Günther Kräuter leistet hier als Rechnungshofsprecher hervorragende Arbeit und Toni Gaal ist auch sehr bemüht.

derStandard.at: Was würden Sie heute anders machen?

Fußi: Im Nachhinein ist man immer klüger. Ich hätte mehr Zeit gebraucht, um das Volksbegehren auf viel breitere Beine zu stellen und ich hätte teamfähiger sein müssen. Und wenn ich so manche Aussagen, die ich getätigt habe anschaue, dann denk ich mir, dass ich mir einen Zettel auf den Tisch legen hätte sollen: "Zuerst denken, dann sprechen". Aber im Großen und Ganzen war das was ich gemacht habe, eine tolle Sache auf die ich wirklich stolz bin.

derStandard.at: Warum konnte die Anschaffung der Eurofighter nicht verhindert werden?

Fußi: Naja, die FPÖ mit ihrer hündischen Untergebenheit der ÖVP gegenüber ist ständig umgefallen. Vergessen Sie nicht, dass der Erfolg des Volksbegehrens mit ein Auslöser für Knittelfeld war. Das ist der größte Erfolg des Volksbegehrens gewesen. Außerdem geht es bei diesem Ankauf um rund 40 Mrd Schilling, da haben rationale Argumente nicht viel verloren.

Aber ich sage dazu nichts mehr, denn für Prozesse habe ich schon wirklich genug Geld ausgegeben. Nur eines: Man wollte einen gewissen Sieger in der Ausschreibung haben und den hat man zum Sieger gemacht, man braucht sich die Pannenserien ja nur anschauen: Jeden Tag neue Horrormeldungen, niemand weiß ob dieses Ding jemals in Österreich fliegen wird.

derStandard.at: Was wurde aus den "Demokraten"?

Fußi: Ich habe mich ja im März 2003 aus meinen Funktionen zurückgezogen und was danach passiert ist, sofern was passiert ist, entzieht sich meiner Kenntnis.

derStandard.at: Welche politischen Ziele haben Sie sich für die nächste Zeit gesteckt?

Fußi: Zur Zeit habe ich mir drei Dinge vorgenommen, für die ich mich einsetzen werde. Erstens möchte ich mithelfen, dass es 2006 bzw. bei der nächsten Wahl eine wirkliche Wende gibt und Alfred Gusenbauer Kanzler wird. Zweitens möchte ich mitkämpfen, dass wir die für uns so wichtige rechtliche Gleichstellung von Homosexuellen erreichen und in diesem Feld werde ich unter anderem auch Politik machen.

Und mein spezifisches Großziel: Wenn die Sozialdemokratie die nächsten Wahlen gewinnt und die Regierung bildet, dann werden wir mit allen Mitteln versuchen, aus dem Eurofighter-Vertrag auszusteigen bzw. über den Ausstieg eine Volksabstimmung abzuhalten- das wäre dann mein schönster Tag und der Kreis würde sich schließen.

  • Rückblick: Fußi bei der Übergabe der Unterschriftenlisten für das Volksbegehren gegen Abfangjäger im Mai 2002
    foto: standard/cremer

    Rückblick: Fußi bei der Übergabe der Unterschriftenlisten für das Volksbegehren gegen Abfangjäger im Mai 2002

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