Die schönsten Frauen sind eigentlich Männer

5. Juli 2004, 13:27
7 Postings

Eine ungewöhnliche Sicht auf die Qual der Geschlechterwahl auf der Insel Samoa

Ein samoanisches Sprichwort sagt, die schönsten Frauen der Insel sind eigentlich die Männer. Gemeint sind die Fa’afafine: Männer, die nach einer alte polynesische Tradition wie Frauen leben.

Die Mahus von Tahiti, die Xaniths des Oman, die Hijras Indiens: Allen ist gemeinsam, dass Männer, deren geschlechtliche Zuordnung sehr wohl eindeutig ist, alles umkehren, was im westlichen Bild einen Mann ausmacht. Man kann sich nicht bewusst dazu entscheiden, Fa’afafine zu werden, es ist ein reines Gefühl. „Fafine“ heißt „Frau“, „Fa’a“ bedeutet „so sein wie“, also „versuchen eine Frau zu sein“.

Als Männer geboren, werden sie oft schon von ihren Müttern als Frauen erzogen. Manchmal, weil eine Haushaltshilfe gebraucht wird, oder auch weil keine Tochter auf natürlichem Weg zur Welt kam. Hin und wieder ist es aber auch so, dass sich die Männer in der Pubertät dazu entscheiden als Frau zu leben - etwa weil sie schwul sind und das ihrem Rollenbild entspricht.

Die Fa'afafine, Muhas oder Xaniths werden von ihrer Familie und auch ihrer sonstigen sozialen Umgebung geliebt. Sie stellen in den Kulturen ihrer Länder/ Inseln einen wichtigen Bestandteil dar. Die Menschen, für die es in der westlichen Kultur keinen wirklich passenden Begriff gibt, bekleiden in ihrer Welt meist die verantwortungsvollen, oft sozialen Berufe. Sie sind engagiert und aufgrund ihrer Wandelbarkeit überall gern gesehene Gäste. Der Einfluss des Tourismus, somit der westlichen Kultur und auch die Neugierde und das Misstrauen der Menschen beginnen die Rolle der zwischengeschlechtlichen Menschen in den vergangenen Jahren zu verwässern.

Begriffe wie "gay", "Transvestiten" oder "Drag Queens" werden ihnen zugeteilt, sie können aber lediglich ein Versuch sein, diese Persönlichkeiten zu beschreiben, ihnen aber nie gerecht werden. Der Showcharakter, der besonders von den beiden Begriffe Drag Queen und Transvestit ausgeht, wird ihnen angedichtet und scheint Erwartungen hervorzurufen die eigentlich nicht im Wesen der Fa'afafines liegen.

Das Tanzen lieben sie, aber zu Showzwecken war es nie gedacht. Aber genau dazu wird es, im Rahmen von touristischen Attraktionsangeboten immer mehr ausgenutzt. Diese Insulaner die vermeintlich vom Beginn an mit der Frage nach ihrer Identität beschäftigt sind, müssen sich diese Fragen nicht stellen, weil sie sich unsicher sind, sondern weil andere denken, dass sie unsicher sein sollten!

von Verena Helfer und Anita Thür, Studentinnen an der Fachhochschule der Wiener Wirtschaft, Studiengang Journalismus
  • Fa’afafine: Männer, die nach einer alte polynesische Tradition  
wie Frauen leben
    foto: museum of anthropology washington university

    Fa’afafine: Männer, die nach einer alte polynesische Tradition wie Frauen leben

Share if you care.