Früher wurden sie als Göttinnen verehrt...

5. Juli 2004, 13:27
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Von den Wurzeln der Gesellschaftskultur und den Überresten des Patriarchats

Wenn sich eine Frau als Emanze oder Feministin bezeichnet, ist ein müdes Lächeln die häufige Antwort. Zu abgedroschen ist das Thema des Geschlechterkampfes. Es ist nicht mehr außergewöhnlich, wenn Frauen beruflich erfolgreich sind. Die Zeit, in der sie ausschließlich als brave Gattinnen ihre erfolgreichen Männer begleiteten, scheint vorüber. So sollte es zumindest sein.

Viele jedoch scheinen sich der Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte nicht bewusst geworden zu sein. Ein Beispiel hierfür lieferte kürzlich der Pressesprecher des künftigen Bundespräsidenten Dr. Heinz Fischer, als er sich zur Rolle von Margit Fischer im Wahlkampf ihres Gatten äußerte. „Margit hielt sich in der Öffentlichkeit immer im Hintergrund. Aber sie ist durchaus eine intelligente, clevere Frau.“ Ob es zu dieser Beteuerung auch gekommen wäre, wenn es sich um den Ehemann einer Politikerin gehandelt hätte?

Das Patriarchat als Antwort auf eine matrizentrische Gesellschaft

Nicht immer und überall hatten bzw. haben Frauen mit der geringen Wertschätzung zu kämpfen, die ihnen bei uns entgegengebracht wird. Vertraut man auf die sich mehrenden Hinweise der soziologischen, anthropologischen und archäologischen Forschung, war die Gesellschaft von ca. 20.000 v.Chr. bis ca. 3000 v.Chr. matrizentrisch orientiert.

Die matrizentrischen Gesellschaften basierten auf der göttlichen Verehrung der Frau, für ihre magische Fähigkeit Leben hervorzubringen. In Teilen Australiens, Nord- und Südamerikas verehren die Ureinwohner noch heute die sogenannten Muttergöttinnen.

In Folge der Verehrung der Frauen entstand die matrilineare Sippenordnung wie sie heute noch bei ca. 100 Volksgruppen besteht. Matrilinear bedeutet, dass Blutsverwandtschaft, Name und Erbfolge über die Mutter definiert werden. Für die Männer hieß das, dass sie ihr Leben meist im Clan der Mutter verbrachten, für den Matriclan arbeiteten und halfen, die Kinder der Schwerstern groß zu ziehen.

Glaubt man dieser Theorie der matrizentrischen Frühphase der Kultur, so hatten sich die Männer für Jahrtausende dem Weiblichen untergeordnet. Mit der Entstehung der Hochkulturen musste eine zunehmende Auflehnung der Männer gegen diese Gesellschaftsform stattgefunden haben, die die matrizentrische Kultur Schritt für Schritt verdrängte.

Erst durch diese Machtübernahme der Männer entstand demnach das patriarchalische Gesellschaftssystem, welches die Frauen zu einem minderwertigen Geschlecht degradierte und dessen Reste bis heute überlebt haben.

von Elisa Wiedermann, Studentin an der Fachhochschule der Wiener Wirtschaft, Studiengang Journalismus
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    Göttin Venus von Willendorf

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