Reine Frauensache!

5. Juli 2004, 13:27
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Immer mehr Frauen arbeiten in Männerjobs, doch wie ist die Situation umgekehrt?

„Wir Frauen heilen, wir führen zusammen, versorgen...,“ meinte vor kurzem eine prominente Politikerin im Fernsehen. Liegt es wirklich in den Genen der Frauen, dass großteils sie es sind, die soziale Berufe ausführen? Oder scheitert der Berufseintritt der Männer in Frauendomänen einfach nur an schlechterem Ansehen in der Öffentlichkeit, der schlechten Bezahlung und der zum Teil starken psychischen und zum Teil physischen Belastungen? Wann sieht man schon einen männlichen Sekretär, wer bringt seine Kinder schon zum Kindergärtner oder wer wird im Krankenhaus von einem männlichen Pfleger versorgt?

Klischees und Klischeebrecher

Marie-Theres Flamm vom Privatkindergarten Alt Wien beschäftigt rund 100 MitarbeiterInnen – davon ist nur einer ein männlicher Kindergärtner, es bewerben sich eben keine Männer. Der eine aber arbeitet „nur“ mit größeren Kindern, einer Hortgruppe. Sie glaubt, dass Kindergärtnerin ein typischer Frauenberuf ist, aus Verdienst- und Ansehensgründen.

Thomas möchte Kindergärtner werden. Ihm macht es Spaß, sich mit kleinen Kindern zu beschäftigen, das hat er schon gemerkt, als er „die Kleinen“ in Handball trainierte. Er freut sich auf die abwechslungsreiche Arbeit, und denkt, Männer sollten keine Scheu haben diesen Beruf zu ergreifen, auch wenn es ein typischer Frauenberuf ist, und die Kollegen das vielleicht belustigend finden.

Wandel im strengen Rollenbild

Im Pflegewesen zeichnet sich vielleicht schon ein Wechsel in alt eingesessenen Berufsrollen ab. Im Unterschied zu früher sind laut Walter Hinlicka bereits ein Drittel der Studierenden zum/zur Diplomierten Krankenpfleger/In Männer. Er arbeitet selbst als Pfleger im Wiener Haus der Barmherzigkeit, inzwischen 25-Stunden die Woche, um nebenher studieren zu können. Dort sind 250 Pfleger beschäftigt, 45 davon sind männlich. Es waren einst die Mönche, die die Menschen pflegten, und diese Kompetenz allmählich an die Nonnenorden abgaben.

„Beim Pflegeberuf kommt es vor allem auf die geleistete Qualität an, sicherlich reagieren einige weibliche „Besucher“ im Geriatriezentrum zuerst etwas unangenehm berührt, doch eigentlich wird nur selten, wenn dann von streng religiösen Angehörigen, eine Frau für die Pflegeleistung verlangt,“ so Hinlicka.

Mit Trauer und Leid ist es oft nicht leicht umzugehen, durch einspaarungsbedingte Mehrbelastungen kommt es oft zu einem Burn-Out bei den Mitarbeitern. Aber es ist ein schönes Gefühl den Menschen etwas geben zu können. Ein Erfolgserlebnis sei in jedem Beruf wichtig, um es in diesem Beruf zu finden, müsse man genau schauen, und kleine Gesten erkennen lernen, so Hinlicka.

Frauendomänen der Jugend

Laut AMS sind frauendominierte Lehrstellen in Österreich Bürokauffrau, Einzelhandelskauffrau und Friseurin. Andreas denkt nicht, dass Friseur eine reine Frauensache ist, früher war das vielleicht einmal so. Ihn hat fasziniert, nach dem Friseurtermin jedes Mal mit einer anderen Frisur nach Hause zu kommen. Er wollte selbst lernen, wie man das macht. Doch nach der neunten Schulstufe beschäftigte er sich zuerst mit Computern, was ihn nur in seinem wahren Berufswunsch bestätigte. Jetzt arbeitet Andreas beim Wiener Friseur Bundy&Bundy.

von Katharina Oke, Studentin an der Fachhochschule der Wiener Wirtschaft, Studiengang Journalismus
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    Der Beruf "Friseur" ist (k)eine reine Frauensache

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