Mariana Frenk-Westheim 106-jährig verstorben

2. Juli 2004, 11:47
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Übersetzerin und Autorin fand auf der Flucht vor den Nazis in Mexiko Aufnahme

Mexiko-Stadt - Die deutschstämmige Emigrantin Mariana Frenk- Westheim ist im Alter von 106 Jahren in Mexiko gestorben. Dies bestätigten Angehörige am Donnerstag in Mexiko-Stadt. Frenk-Westheim hatte sich über Jahrzehnte als Übersetzerin und Autorin einen Namen gemacht.

Frenk-Westheim wurde am 4. Juni 1898 in Hamburg geboren. 1930 wanderte sie mit ihrem ersten Ehemann, dem Mediziner Ernst Frenk, aus, weil sich beide als Juden in Deutschland diskriminiert und bedroht fühlten. Nach Frenks Tod heiratete sie in Mexiko den deutschen Kunstkritiker Paul Westheim. Als Übersetzerin übertrug Frenk-Westheim unter anderem die Werke des mexikanischen Schriftstellers Juan Rulfo ins Deutsche. Außerdem verfasste sie Aphorismen und Kurzgeschichten. Im Alter von 103 Jahren veröffentlichte sie auf Deutsch "Tausend Reime für Große und Kleime", eine amüsante Gedichtesammlung in der Tradition von Christian Morgensterns Galgenliedern.

Frenk-Westheim war die letzte Überlebende einer Generation deutschsprachiger Exilanten, die auf der Flucht vor dem Nationalsozialismus in Mexiko Aufnahme fanden. Zu den bekanntesten Namen zählten die Schriftstellerin Anna Seghers und der Reporter Egon Erwin Kisch. In ihren letzten Lebensjahren war Frenk-Westheim erblindet und an den Rollstuhl gefesselt. Sie hinterlässt zwei Kinder, zehn Enkel und fast 30 Urenkel. Einer ihrer Enkel, Julio Frenk, ist mexikanischer Gesundheitsminister.

(APA/dpa)

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