Mode, Schminke, Pediküre

5. Juli 2004, 13:27
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Frauenmagazine ähneln sich. Aber nicht nur thematisch, auch das transportierte Bild der Frau gibt immer wieder Anlass zu Kritik

Der Aufschrei war groß im Dezember vergangenen Jahres. Das Magazin „Woman“ gab seinen Leserinnen im Zuge eines Gewinnspiels die Chance entweder ein Facelift, eine Brustkorrektur oder eine Fettabsaugung zu gewinnen. Vielfach wurde kritisiert, dass die Zeitschrift hier zu weit gegangen ist.

„Schmerzgrenze überschritten“

So sieht es auch Marga Swoboda, Kolumnistin und ehemalige Chefredakteurin der „Wienerin“. Zwar sei es nicht in Ordnung, was „Woman“ da gemacht habe: „Meine Schmerzgrenze wäre hier überschritten“. Das Problem läge aber eigentlich woanders: „Das Gleichgewicht der Geschlechter in den Medien ist sowieso ein Märchen, weil die Entscheidungsträger in den Redaktionen fast immer Männer sind.“

Alexandra Bader, Chefredakteurin des Internetmagazins Ceiberweiber, kritisiert vor allem die Diskrepanz in der medialen Darstellung zwischen den Geschlechtern: „Frauen werden zwar gerne so beschrieben, als stünde ihnen heute eh alles offen. Zugleich werden aber Bilder transportiert, die das weibliche Sein bei all diesen angeblichen Möglichkeiten einschränken.“ Der Unterschied sei, dass zwar auch Männern Schönheit und Styling angeboten werden. Aber es sei eben nur ein Angebot, das sie wahrnehmen könnten oder nicht. „Sie dürfen aussehen und sein wie sie wollen. Und machen trotzdem Karriere.“

„Faulige Ethik“

Swoboda sieht das ähnlich, glaubt aber, dass dieser Schönheitszwang auch vor Männern nicht Halt macht. „Männer werden das in Zukunft auch so haben.“ Die „Waschbrett-Pinups“ seien auch hier allgegenwärtig, der Druck auf die Männer vergrößere sich. Das Grundproblem sei eine „faulige Ethik“: „Es wird ein äußerlichkeitsorientiertes Gesamtprogramm proklamiert, das bei Frauen aber sicher stärker ist.“

Zynisch sei das Vorpredigen, wie toll die in den Magazinen dargestellten Frauen doch sind, die alles unter einen Hut bekommen. Die normale Frau müsse sich dann natürlich fragen, warum sie das alles nicht schafft. Oder, wie es Alexandra Bader ausdrückte: „Als Folge davon verbiegen Frauen sich und beschäftigen sich mit sich selbst, statt ihre Interessen und Vorstellungen als wichtig zu nehmen und dafür offensiv einzutreten.“

Von Kaspar Fink, Student an der Fachhochschule der Wiener Wirtschaft, Studiengang Journalismus
  • Das Gleichgewicht der Geschlechter in den Medien ist sowieso ein Märchen, weil die Entscheidungsträger in den Redaktionen fast immer Männer sind.
    foto: derstandard.at/kathrein

    Das Gleichgewicht der Geschlechter in den Medien ist sowieso ein Märchen, weil die Entscheidungsträger in den Redaktionen fast immer Männer sind.

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