Traditionsbewusstes Gladiatorentum

5. Juli 2004, 13:27
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Einschaltquoten gehen zurück und Zuschauerzahlen nehmen ab. Damensport am Tiefpunkt einer ernsthaften Krise - Realität oder Irrglaube?

Kraft, Einsatz, Härte und Schnelligkeit, das sind Attribute, die typisch sind für professionellen Männersport. In diesen Dingen sind die Herren ihren Kolleginnen meist voraus. „Nicht aber in der Ausdauer, das sei ja hinlänglich bekannt“, meint Franz Krynedl, Pressereferent des Österreichischen Tennisverbandes, und vergleicht professionellen Männersport mit antikem Gladiatorentum. Zugleich hebt Krynedl hervor, dass sich die Damen momentan des gleichen Interesses erfreuen wie die Männer. Vor 20 Jahren war dem nicht so. John McEnroe sagte einst, wenn er in Wimbledon mit Pat Cash trainiere, habe er mehr Zuschauer als das Damenfinale.

Männersport ist Tradition

Christian Kircher, Pressesprecher der T-Mobile Bundesliga, führt unter anderem noch den wichtigen Punkt der Tradition an. „Die Vienna gibt’s seit 1864, und Fußball sei eben seit damals ein Männersport“, meint Kircher, bemerkt aber, dass sich über Qualität bekanntlich streiten lässt. „Die noch sehr junge österreichische Damenbundesliga steht sicherlich noch im Schatten des männlichen Pendants, man dürfe sie aber nicht über Wert verkaufen“, so Kircher. Momentan arbeitet man sehr eng mit Wolfgang Schauer, Pressesprecher der Damenbundesliga, zusammen um das noch junge Projekt besser zu promoten. Bezüglich der Attraktivität für die Werbewirtschaft, müsse man vorsichtig sein, Vergleiche mit Amerika oder Deutschland anzustellen.

Sex sells – Mittel zum Weg aus der Krise?

Krynedl und Kircher sehen das Konzept "Sex sells" eher kritisch. „Schuld daran sind die Medien, besonders die Boulevardzeitschriften, sie sind die Mittler zu den Zuschauern“, so Krynedl. „In diesem Punkt wandle man auf einem schmalen Grat, es ist aber heikel Sport über nackte Haut zu verkaufen“, meint Kircher. Im Frauenfußball sei er jedenfalls dagegen. Bleibt also abzuwarten, ob sich nackte Haut als Allheilmittel durchsetzt, oder ob sich andere Wege anbieten werden. Ansätze dazu gibt es genügend. So spielen beispielsweise die Frauen der amerikanischen WNBA ihren Meister im Sommer aus, wenn die Herren im Urlaub ihre Seele baumeln lassen.

von Stefan Prager
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