AT&S-Aktionäre werden zu Stimmabgabe per Email gebeten

5. Juli 2004, 11:26
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Bei der kommenden Hauptversammlung im Juli - Kooperation mit Anlegerschutzverein IVA

Die Anleger des steirischen Leiterplattenproduzenten AT&S werden bei der am 6. Juli stattfindenden Hauptversammlung zum ersten Mal die Möglichkeit haben, auf elektronischem Weg von ihrem Stimmrecht Gebrauch zu machen. Möglich macht dies eine Kooperation mit dem Interessensverband der Anleger (IVA), dessen Vertreter bei der Hauptversammlung entsprechend den per Email oder Telefon erteilten Weisung abstimmen wird. Weil die Hauptversammlung zur Gänze im Internet übertragen wird, kann der Aktionär sein Stimmverhalten gegebenenfalls kurzfristig ändern. Die an Frankfurt notierende AT&S ist das erste österreichische Unternehmen, das ein solches "Proxy-Voting" ermöglicht.

Theoretisch

Praktische Auswirkungen auf die kommende HV wird die neue Kommunikationsmöglichkeit freilich kaum haben: Zum einen werden fast 50 Prozent des Unternehmens von den beiden Hauptaktionären Hannes Androsch und Willi Dörflinger bzw. der Firma selbst (7,8 Prozent) kontrolliert, zum anderen werden für die Hauptversammlung nach einem guten Geschäftsjahr 2003/04 (per 31. März) kaum Konflikte erwartet. Grundsätzlich können mit dem Instrument aber "auch AT&S-Aktionäre ihrem Willen bekunden, auch wenn sie in Gelsenkirchen oder Paris sitzen", sagte IVA-Chef Wilhelm Rasinger. AT&S unterliegt dem deutschen "Code of Corporate Governance", der von den Firmen fordert, die Ausübung des Aktionärsstimmrechts möglichst zu erleichtern.

Voraussetzung ist auch beim Proxy-Voting die Ausstellung einer Stimmrechtskarte, die an den IVA übermittelt wird. Dieser nimmt dann über seinen bei der HV anwesenden Gewährsmann die Stimmrechte so wahr, wie es der individuelle Anleger wünscht. Auch per Email übermittelte Fragen können in der HV über den anwesenden IVA-Vertreter gestellt werden.

Forderungen

Rasinger forderte die Übernahme der des E-Voting in den österreichischen Corporate Governance-Kodex. Die Teilnahme per Internet und Email an einer örtlich entfernten Hauptversammlung sei ein probates Mittel zur Stärkung der Aktionärsdemokratie. Auf diese Weise könnten Situationen wie etwa bei der VA Tech-Hauptversammlung Ende April vermieden werden, als sich zwei Aktionärsgruppen von zwölf und 15 Prozent (Kovats, ÖIAG) ein Duell geliefert hatten - gleichzeitig aber 50 Prozent der stimmberechtigten Aktionäre gar nicht anwesend waren.

Die neue Form des elektronischen Teilnahme an der HV sei nicht nur für Kleinanleger, sondern auch für institutionelle Investoren interessant, die nicht jede HV besuchen könnten, meinte Rasinger. Für die kommende AT&S-HV im steirischen Leoben rechnet er freilich mit höchstens "zwei Dutzend" Anlegern, die auf diese Wiese virtuell präsent sein werden. (APA)

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AT&S

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