Simulator soll im Kampf gegen plötzlichen Narkosetod helfen

4. Juli 2004, 18:23
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Neues Meldesystem gegen Komplikationen

Im Kampf gegen den plötzlichen Narkosetod setzen Mediziner auf einen neuartigen Simulator. Die von einem Computer gesteuerten Plastikpuppen seien inzwischen Standard in den Universitätsabteilungen, in denen Anästhesie gelehrt werde, berichtete der Erlanger Medizinprofessor Jürgen Schüttler beim jüngsten Deutschen Anästhesiekongress in Nürnberg. So könnten Narkoseärzte kritische Situationen einüben, etwa einen Blutdruckabfall.

Vermeidbar

"Es sind oft kleine, latente Fehler während einer Anästhesie, die zum Tod führen können", erklärte der Stuttgarter Professor Claude Krier. Dem Experten zufolge stirbt derzeit in Deutschland einer von 100.000 Patienten an den Folgen einer Narkose - bei einer Gesamtzahl von acht Millionen verabreicht.

"Bei etwa der Hälfte der Narkosen besteht die Möglichkeit, dass sich etwas falsch entwickelt", sagte Schüttler. Oft seien es Kleinigkeiten und nicht einmal "Fehler" des Anästhesisten, die eine fatale Kettenreaktion auslösen können. Reagiert ein Patient etwa plötzlich allergisch auf ein Narkosemittel, brauche ein unerfahrener Arzt doppelt so lange für die richtige Reaktion wie ein erfahrener Anästhesist.

Vorwarnung

Zur "neuen Sicherheitskultur", der sich die Narkoseärzte verschrieben haben, gehört laut Krier außerdem ein internetgestütztes Meldesystem, in das Ärzte aus ganz Deutschland anonym Zwischenfälle bei Operationen eingeben können. So sollen Abweichungen von der Norm bei Narkosen erfasst werden, um eine Checkliste zu entwickeln, mit der die Anästhesisten bei unvorhergesehenen Zwischenfällen schneller reagieren können. (APA)

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