Die große Lüge von Märchenprinzen und Traumfrauen

5. Juli 2004, 13:27
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Der Glauben an die "große Liebe" kann einiges kaputtmachen, denn Idealbilder kann man nicht verwirklichen

Der Satz "sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende" beendet jedes Märchen. Er lässt uns mit einer Traumvorstellung vom glücklichen Leben zu Zweit zurück. Er bringt uns zu Vergleichen mit der eigenen Realität, dem eigenen Partner und zur immer wieder aufkommenden Frage: "Ist er der Mann / Ist sie die Frau fürs Leben?"

In der Tat entscheidet sich laut britischen Forschungen schon beim ersten Kuss, wie lange man mit dem Partner zusammenbleiben will: Wenn man am Beginn dieses neuen Abschnitts nicht über die Dauer nachdenken möchte, hat die Liebschaft eine große Chance zu wachsen. Gehen die Eindrücke aber eher in Richtung " Ein, zwei Jahre halten wir durch, länger nicht", belügt er/sie sich in der Regel über diese Zeitspanne, bevor er/sie draufkommt, dass er/sie mit dem/der Anderen nichts gemeinsam hat.

Aber: Wo ist der Traummann? Wann kommt er endlich zu mir? Hat nicht ein Jeder das Recht auf ein gegengeschlechtliches Äquivalent? Einen Deckel, sozusagen?

Idealbilder kann man nicht verwirklichen

Die Idealvorstellung unseres Traumpartners bildet eine Reihe von Kriterien heraus, nach denen man reale Partner betrachtet und bewertet - die drei größten Bereiche hierbei sind Schönheit, Intellekt und sozialer Status. Wird einer dieser Gesichtspunkte mit "gut" beurteilt, kommt das Gegenüber bereits als Lover in Frage. Und wird ab dem Zeitpunkt des ersten Kusses mit fiktiven und realen Sinnbildern von Liebe verglichen. Der Witz daran: Es ist leider unmöglich, auf Dauer glücklich verliebt zu sein.

Denn Leben ist ja bekanntlich ein Prozeß. Nie ist etwas gleichbleibend. Man kann zu Jemandem eine gute Basis haben oder enge Seelenverwandtschaft fühlen, ihn begehren, ihn lieben. Die gemeinsame Zeit jedoch muss man bewusst genießen, um eine gute Beziehung führen zu können, sich damit abfinden, dass Verliebtheit nicht immer automatisch mitschwingt. Die Momente, in denen sie einen wie eine Drogen berauscht, im Herzen behalten.

Realität kann sehr unbefriedigend sein. Nicht zulassen sollte man  jegliche Art von Assoziationen, die die echte Welt mit der fiktiven im Kopf gleichsetzen. Denn hierbei kann die Wirklichkeit nur der Verlierer sein.

von Lisa-Marie Gotsche, Studentin an der Fachhochschule der Wiener Wirtschaft, Studiengang Journalismus
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    Können Mann&Frau glücklich bis zum Ende gehen?

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