Kommentar: Wo sind die Iron-Ladies?

5. Juli 2004, 13:27
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Politische Führungspositionen sind für Frauen nach wie vor Mangelware, Besserung ist kaum in Sicht

Wäre das schön gewesen. Das „höchste“ Amt im Staat ausgeführt von einer Frau. „Ich war optimistisch es schaffen zu können“ meint Benita Ferrero-Waldner in ihrem Weblog zum Wahltag der Präsidentschaftswahlen. Gekämpft hat sie bekanntlich wie ein Löwin und trotzdem hat es am Schluss wieder einmal nicht gereicht, eine Frau für ein richtig hohes politisches Amt zu wählen. Entscheidungen treffen sollen laut Meinung der meisten WählerInnen in Österreich immer noch die Männer. Und die lassen sich nicht zweimal bitten: Sieben von den insgesamt neun Landeshauptleuten und acht der zwölf österreichischen Minister sind Männer.

Mit Benita Ferrero-Waldner als Außenministerin, Maria Rauch-Kallat als Gesundheitsministerin, Elisabeth Gehrer als Bildungsministerin und seit neuestem Karin Miklautsch als Justizministerin sind immerhin schon vier der zwölf Ministerposten von Frauen besetzt.

Die "Trendsetter" fehlen

Warum eigenständige und durchsetzungsfähige Politikerinnen vom Schlag einer Margaret Thatcher oder Hillary Clinton die Ausnahme bleiben, weiss niemand so genau. Und auch wenn eine Frau einmal die Karriereleiter mühsam bis ganz nach oben erklommen hat und sich zwischenzeitlich in einer politischen Spitzenposition wiederfindet, heißt das noch lange nicht, dass auch auf sie zurückgegriffen wird.

Man kann sich nur vorstellen, was in der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel vorging, als sie erfahren hat, dass man den bayrischen Bierzeltrethoriker und Parteivorsitzenden der CSU, Edmund Stoiber, bei der Entscheidung der Frage des Kanzlerkandidaten für die deutsche Bundestagswahl den Vorzug gab.

Angela Merkel tat das, was die meisten Männer dieser Welt von ihren Frauen erwarten: Gefühle unterdrücken und stillschweigend akzeptieren. Solange dieses Katz-und-Maus-Spiel weiter praktiziert wird, wird sich an der gegebenen Situation kaum etwas ändern. Wie so oft auch im Leben abseits der Politik, muss das weibliche Geschlecht den ersten Schritt machen um die Dinge zu beeinflußen – an der Zeit wäre es allemal.

von Alexander Dechant, Student an der Fachhochschule der Wiener Wirtschaft, Studiengang Journalismus
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    Margaret Thatcher, eine Ausnahme

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