VAV plant Auto-Reparaturen im Ausland

6. Juli 2004, 11:17
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Assekuranz muss für gleiche Schäden bis zu 30 Prozent mehr zahlen als Privatpersonen - Große Versicherungen winken ab: "Keine Kostenersparnis"

Wien - Die VAV-Versicherung droht den Kfz-Werkstätten an, Autos ihrer Kunden künftig im benachbarten EU-Ausland reparieren zu lassen, sollte die Assekuranz für die gleichen Schäden weiterhin 25 bis 30 Prozent mehr zahlen müssen als Privatpersonen. Ansonsten könnte die VAV künftig Kfz in Bratislava oder Sopron richten lassen, wo dies um 30 bis 40 Prozent billiger sei als in Österreich, sagte VAV-Chef Norbert Griesmayr am Freitag. Die Versicherungsbranche müsse derzeit im Jahr 1 bis 1,3 Mrd. Euro für Autoreparaturen bezahlen.

Reparaturkosten "größter Preistreiber"

Die Reparaturkosten seien der größte Preistreiber in der Autoversicherung, beklagte Griesmayr, dessen VAV derzeit mit 56 Mio. Euro Gesamteinnahmen als eher kleinerer Kfz-Versicherer erst an der 14. Stelle rangiert. In der Autohaftpflicht würden die Reparaturen 54 Prozent aller Kosten ausmachen, in der Kasko seien es sogar mindestens 80 Prozent. Zudem würden diese Kosten jedes Jahr stärker als die allgemeine Teuerung zulegen, im Vorjahr um 4,4 Prozent gegenüber 1,3 Prozent beim VPI.

Große Versicherungen winken ab

Abhängig machen will die VAV ihre mögliche Auslagerung von Autoreparaturen in die benachbarten neuen EU-Staaten von einer genauen Kalkulation, ob sich dies samt der dafür nötigen Logistik auch wirklich rentiert: "Wir sind noch nicht am Ende mit der Rechnung. Das wird sicher Monate dauern", sagte Griesmayr. Partner aus der Versicherungsbranche hat die VAV bisher noch nicht gefunden. Ganz im Gegenteil: Große Versicherer wie etwa Generali und Wiener Städtische haben bereits abgewunken und erklärt, dass sie sich davon keine Einsparungen versprechen.

"Kostenvorteile noch fünf bis sieben Jahre"

Griesmayr hingegen ist der Meinung, dass die "eklatanten Kostenvorteile" der Autoreparaturen im östlichen EU-Ausland werden sicher noch mindestens 5 bis 7 Jahre zum Tragen kommen. Die Arbeitskosten in Werkstätten lägen dort derzeit im Schnitt bei 20 Prozent der österreichischen. Deshalb hätten auch schon zahlreiche heimische Betriebe Werkstätten im Osten errichtet. Obwohl die Ersatzteile im Ausland nicht billiger sind, bleibe unter dem Strich ein Preisvorteil von 30 bis 40 Prozent. Darauf, so Griesmayr, müssten eigentliche alle Marktteilnehmer reagieren.

Umfrage: Preis spielt "dominierende Rolle"

Sollte die Ost-Option realisiert werden, will VAV dafür eigene Kfz-Polizzen anbieten, in denen sie ihren Kunden zum Beispiel bis zu 20 Prozent geringere Tarife offeriert, wenn sich die Fahrzeughalter mit Reparaturen im CEE-Ausland einverstanden erklären. Dass die Preissensibilität der Autofahrer hoch ist, hat sich die VAV durch eine Karmasin/Gallup-Umfrage bestätigen lassen: "Der Preis spielt die absolut dominierende Rolle", lautet für Griesmayr das Resümee.

Bargeldablöse wird forciert

Bevor die Ost-Karte ausgespielt wird, setzt die VAV einmal auf Maßnahmen zur Senkung der Schadenkosten im Inland. Dazu zählen neben alternativen Reparaturmethoden und einer professionelleren Sachverständigentätigkeit auch vermehrte Schadensablösen, die die VAV seit heuer forciert. Dabei wird in weniger als jedem zweiten Fall den Versicherten eine Bargeldablöse ihres Schadens angeboten, und 70 Prozent der Kunden akzeptieren dies laut Griesmayr. Die Offerte liegen leicht unter den von den Sachverständigen ermittelten Werten.

Die neue Karmasin/Gallup-Umfrage hat ergeben, dass für 90 Prozent die Prämienhöhe bei der Auswahl einer Kfz-Versicherung wichtig ist, für 61 Prozent sogar sehr wichtig bzw. ausschlaggebend. Bereits bei bis zu 5 Prozent Prämienunterschied erklärten sich 12 Prozent grundsätzlich zu einem Wechsel bereit, bei 10 Prozent Preisvorteil sind es schon insgesamt 44 Prozent. In der Autohaftpflicht beträgt die Jahresprämie derzeit im Schnitt 300 Euro, in der Vollkasko etwa 600 bis 700 Euro.

Ein Drittel bereit für Auslands-Reparatur

Ein Drittel der Befragten erklärte sich grundsätzlich bereit, das Auto im Ausland reparieren zu lassen, wenn die Versicherung das gesamte Reparaturmanagement samt Abholung und Rückstellung übernimmt und dies mit einem deutlichen Tarifvorteil verbunden ist. Für 11 Prozent dieses Drittels würde es ausreichen, wenn der Preisvorteil 5 Prozent beträgt. Weitere 23 Prozent würden ihr Auto im Ausland reparieren lassen, wenn dabei bis zu 10 Prozent herausspringen, noch einmal 37 Prozent bei bis zu 20 Prozent Ersparnis.

Leichter Prämienrückgang im Vorjahr

Die VAV-Versicherung, die im Vorjahr einen leichten Prämienrückgang von 56,7 auf 56,2 Mio. Euro verzeichnet hat, will heuer um rund 10 Prozent wachsen, wie Griesmayr in einem Pressegespräch sagte. Im ersten Quartal sei man bei Prämie, Schäden und Kosten "mehr als im Plan" gelegen. Im Gesamtjahr werde sich die Schadensituation voraussichtlich weiter verbessern, ebenso wolle man bei der Gewinnsituation - dem EGT - zulegen. Die Combined Ratio (Schadenaufwand und Kosten gemessen an den Einnahmen) hat sich im Vorjahr von 123 auf 107 Prozent verbessert. Die Schadenquote ging insgesamt auf 74 (92) Prozent zurück, in der Sparte Kfz auf 78 Prozent. Die VAV Versicherungs-AG ist eine Tochter der deutschen VHV (Vereinigte Haftpflichtversicherung V.a.G), Hannover. (APA)

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