Frauen nach der Bundesheer-Reform

5. Juli 2004, 13:27
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Vor sieben Jahren hieß es noch "Frauen zum Heer", nun wird ein einheitlicher Sozialdienst für Frauen und Männer gefordert

Jörg Haider forderte bereits 1993 in den "Oberösterreichischen Nachrichten" einen verpflichtenden Sozialdienst anstelle des "Auslaufmodells Bundesheer".

Elf Jahre danach ist die Idee aktueller denn je. Inzwischen hat die Heeresreformkommission ihren Bericht vorgelegt – die Umstellung auf ein Berufsheer wird darin zwar nicht dezidiert gefordert, soll jedoch als Folge der Reform zumindest möglich werden. Eine Abschaffung des Präsenzdienstes wäre für die sozialen Einrichtungen fatal, viele könnten den Dienstbetrieb ohne die momentan 9.500 Zivildienstleistenden nicht aufrechterhalten.

Rotes Kreuz für verpflichtenden Sozialdienst

So forderte Wolfgang Kopetzky, Geschäftsführer des Roten Kreuzes Österreich, im Dezember einen verpflichtenden, neunmonatigen Sozialdienst, den auch junge Frauen zu leisten haben sollten. Als Vorteil sieht er eine Entlastung des Arbeitsmarktes – von 50.000 bis 60.000 Menschen, die pro Jahrgang in Frage kämen, seien momentan bereits 40.000 arbeitslos. Die Bezahlung sollte sich dabei im Rahmen, wie sie derzeit beim Zivildienst üblich ist, bewegen. Zivildiener erhalten nach Angaben des Innenministeriums derzeit 181,70 Euro im Monat zuzüglich einer Verpflegungspauschale zwischen 11,30 Euro und 13,60 Euro pro Tag.

Caritas und Volkshilfe bauen auf Freiwilligkeit

Der Caritas-Präsident Franz Küberl hält indes ein Freiwilligen-Modell für sinnvoller. Das freiwillige soziale Jahr, wie es momentan rund 150 Frauen und Männer bei der Caritas leisten, solle so attraktiv gestaltet werden, dass es sogar zu einer Verdoppelung der derzeitigen Zivildienstzahlen komme und langfristig über 50 Prozent eines Jahrganges daran teilnehmen. Gute Projekte, eine vernünftige Bezahlung und die Anrechnung des Sozialdienstes in Ausbildung und Berufsleben sieht er als Wege zum Ziel. Auch Josef Weidenholzer, Präsident der Volkshilfe meint das Angebot müsse so attraktiv sein, dass auf den Zwang verzichtet werden könne.

Österreicher begrüßen Freiwilligen-Modell

Einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes IGF nach trifft das Konzept in der Bevölkerung durchaus auf Akzeptanz. 53 Prozent der 410 Befragten wären für das Sozialjahr, wenn es dafür zu einer Abschaffung des Präsenzdienstes käme. Grundsätzlich stehen sogar 78 Prozent der Österreicher dieser Idee positiv gegenüber.

Die Meinungsforscher selbst zeigen sich jedoch skeptisch. Wolfgang Bachmayr vom OGM sieht im Falle der Abschaffung des Zivildienstes einen unübersehbaren Zusammenbruch der sozialen Versorgung kommen. Peter Ulram (Fessel-GfK) hält jene Personengruppe, die bereits jetzt freiwillige Leistungen übernimmt, für nicht steigerbar.

Politische Parteien uneinig

Der grüne Sicherheitssprecher Peter Pilz forderte ähnlich dem Roten Kreuz einen verpflichtenden Sozialdienst für Frauen und Männer. Parteichef Alexander van der Bellen kann sich das nicht vorstellen: "Das ist nicht unsere Linie, wir werden Modelle für einen attraktiven freiwilligen Sozialdienst entwickeln". Die Grünen-Abgeordnete Theresia Haidlmayr unterstreicht: „Der Zwangdienst mit der Waffe kann nicht einfach in einen Zwangdienst mit der Trage für alle umgewandelt werden“.

Auch die „Junge Generation“ der SPÖ sprach sich Anfang des Jahres gegen den verpflichtenden Sozialdienst für junge Frauen aus. Das sind verstaubte Einstellungen und der Wunsch, Frauen wieder in alte Rollenbilder zurück zu drängen, so der Vorsitzende Hannes Schwarz.

... und dann?

Sowohl politische als auch soziale Institutionen scheinen sich insgesamt bereits für die Zeit danach zu wappnen. Damit bewegt sich Österreich in guter Gesellschaft, in Italien wird bereits ab nächstem Jahr ein Freiwilligen-Modell dem Wehrdienst folgen, in Frankreich ist es bereits Gang und Gäbe. Die Bezahlung liegt dabei jedoch deutlich über den momentanen "Hungerlöhnen" der sowohl freiwilligen als unfreiwilligen Sozialdienstlern.

Das Geld wird wie in der Vergangenheit und der Gegenwart auch in der Zukunft über den Fortbestand des Dienstleistungssystems entscheiden. Der Grundtenor der momentanen Diskussion lässt jedoch eines erhoffen: Einen kleinen, aber entscheidenden Schritt zu tatsächlicher gesetzlicher Gleichberechtigung.

von Franz Otto, Student an der Fachhochschule der Wiener Wirtschaft, Studiengang Journalismus
  • Verpflichtender Sozialdienst auch für Frauen?
    foto: ruth otto

    Verpflichtender Sozialdienst auch für Frauen?

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