Definierte Ziele für Forschung in Österreich gefordert

2. Juli 2004, 20:59
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Podiumsdiskussion mit Experten in Wien

Wien - Obwohl die Themen Forschung und Forschungsquote schon fast zum Standardrepertoire politischer Sonntagsreden gehört, fehlt es in Österreich nach Ansicht von Karl Fröschl, Geschäftsführer des E-Commerce Competence Center (EC3), nach wie vor an eindeutigen Definitionen, wofür Geld ausgegeben werden soll. Die Steigerung der Forschungsquote sei zwar erfreulich, aber nicht alles, so der Experte bei einer Podiumsdiskussion der APA-E-Business-Community am Donnerstag Abend in Wien.

"Aus neoliberaler Sicht hat man mit einem bestimmten Prozentsatz sein Ziel erreicht, ohne zu bestimmen, wofür die Mittel verwendet werden", so Fröschl. Was in Österreich fehle, sei die gelebte Praxis. Auch im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) sei kein "Zeilinger" (Anm. Experimentalphysiker Anton Zeilinger) in Sicht, Österreich habe hier eine "defensive Position" inne.

Richtung

Für Thomas Leitner, Geschäftsführer des Kompetenzzentrum Elektro(nik)altgeräte-Recycling & nachhaltige Produktentwicklung (KERP), zeigen die Kompetenzzentren die Richtung vor: "Dort wird die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft gut umgesetzt", so Leitner. Wichtig dabei seien vor allem eine gewisse Anlaufzeit um sich kennen zu lernen und "aktives Beziehungsmanagement". Die Betrachtung der Forschungslandschaft dürfe aber nicht bei der Grenze enden. "Höchst bedauerlich ist der unglaubliche Wettlauf um das Geld aus Brüssel, das hat sich zu einer eigenen Disziplin entwickelt und ist nicht zielführend", so der Experte. Vernünftiger wäre eine bessere Abstimmung zwischen der EU und den Nationalstaaten. Ein akkordiertes Vorgehen könne den "Standort Europa" stärken.

"Die Nationalstaaten sollten weiterhin im Vordergrund stehen, solange die Welten - wie etwa bei den Personalkosten - noch so weit auseinander klaffen", meinte hingegen EC Austria-Geschäftsführer Christian Czaak. Besonders die neuen EU-Mitgliedsstaaten seien - durch eine "Latte von Fördergeldern" - gut unterwegs. Eine weitere Stoßrichtung sieht Czaak bei der Steuersituation: "Die Quoten dürfen nicht im Vordergrund stehen, wichtiger ist es, die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen."

Forschung kein Selbstzweck

Für Markus Kommenda vom Forschungszentrum Telekommunikation Wien Betriebs-GmbH (ftw) ist Forschung kein Selbstzweck. "Wir wollen Start-ups unterstützen, mittelständischen Firmen die Wettbewerbsfähigkeit sichern und Großunternehmen dazu bringen, auch in Österreich zu forschen", so Kommenda. An den Unis gebe es Kompetenz "zu einem günstigen Preis", das interessiere auch die Wirtschaft. Kompetenzzentren würden sowohl Schwung in diese Beziehung bringen, als auch neue Chancen und Qualitäten für Kooperationen eröffnen. (APA)

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