Abseits vom Ballermann

11. Mai 2005, 15:56
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Mallorca ist groß. Wer dem Trara ausweichen will, kann. Mit dem Rad zum Beispiel. Oder mit Inline Skates.

Am Ende war wie immer ein ordentliches Fest. Mit Sangria, Wein, wieder Sangria. Mit Swimmingpool.

Am Anfang war eine Reise in den Frühling, der der Winter Mallorcas ist. Logisch, daß nirgendwo sonst soviel nach oben gebuckelt und nach unten getreten wird wie auf der Baleareninsel. Das Klima kommt Radfahrern speziell entgegen, außerdem sind auf Mallorca selbst die kleineren Straßen besser asphaltiert als die West. Was die Profis betrifft, so pflegen sich Jan Ullrich, der deutsche Tourdefrance-Sieger '97, und seine Kollegen auf Mallorca vom Winterspeck zu trennen. Die Hobbyisten werden ab Februar charterweise eingeflogen, Fahrräder bringen sie mit oder mieten sie.

Bald einmal werden die Biker auf schmaleren Straßen nicht nur auf Autos, sondern auch auf Inline Skater achten müssen. Hersteller und Reiseveranstalter versuchen, Skating zum Urlaubstrend zu machen. Emmanuel Joumard, "Product Manager In Line Skate" der Firma Salomon, die auf Mallorca ihre neue Kollektion testete: "Warum sollte man in den Ferien aufs Skaten verzichten? Abgesehen von Laufschuhen sind Skates die Sportgeräte, die man am leichtesten transportieren kann."

Im Süden Mallorcas ist Lustigkeit. Tatsächlich gibt es ja Menschen, die am Abend aus Deutschland eintreffen, eine Nacht lang einen draufmachen und am nächsten Morgen wieder heimfliegen. Im Norden ist vergleichsweise Ruhe. Die Einheimischen nennen die Gegend zwischen den Buchten von Alcudia und Pollenca nicht umsonst "die gute Stube" der Insel. Die Hauptstraße, die hier direkt am Meer entlang führt (der Strand ist drei Meter schmal), ist auf beiden Seiten quasi um Pannenstreifen verbreitert, und alle paar Kilometer führen verkehrsarme, aber auch gut asphaltierte Wege ins Landesinnere.

Radfahrer gehen früh schlafen. Wie das mit den Skatern wird, ist die Frage - das Fest am Ende, frage nicht. Mallorca ist prädestiniert. Es empfiehlt sich jedenfalls, das eigene Material mitzubringen, Ausborgen spielen sie noch nicht. Die Klientel selbst für organisierte Skate-Reisen wäre da, in Deutschland und Österreich wurden im Vorjahr mehr als drei Millionen Skates verkauft. Der Salzburger Sportwissenschaftler Michael Mayrhofer hat ein eigenes Workout kreiert - es geht darum, neben dem Kreislauf auch die Muskeln zu beanspruchen. Das Programm läuft ab wie eine Aerobicstunde, um den/die VorturnerIn herum rollen mit Hanteln bepackte Skater, die nacheinander eingehen wie die Primeln. So soll's sein.

Ein neuer Trend zeichnet sich ab. Fitnessklubs gehen im Sommer eh nicht gut - wer hüpft oder hantelt schon gern im Keller, während draußen das Leben pulsiert? Skaten unter spanischer Sonne hingegen, das kann einiges. Und außerdem das Fest am Ende... (Der Standard, Printausgabe)

Von Fritz Neumann
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