Krankl: "England wird für uns schwieriger als man glaubt"

25. Juni 2004, 11:56
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Die bittere Erkenntnis aus Sicht von Assistent Slavko Kovacic: "Derzeit sicher eine Klasse besser als wir"

Wien - Sein "Spion" und Assistent Slavko Kovacic hat am Donnerstag auf der Tribüne im Lissabonner Luz-Stadion den EM-Thriller Portugal - England live verfolgt, "Chef" Hans Krankl erlebte den Fußball-Kracher gebannt daheim vor dem TV-Gerät. "England wird für uns weitaus schwieriger als man glaubt", resümierte der ÖFB-Chef nach Englands EM-Out und vor dem WM-Quali-Auftakt Österreichs gegen die Briten am 4. September im Wiener Happel-Stadion.

Dass sich der Shooting-Star Wayne Rooney gegen die EM-Hausherren in der ersten Spielhälfte einen Bruch des Mittelfuß-Knochens zugezogen hat und zumindest einen Monat pausieren muss, ändert nicht im Geringsten die rot-weiß-rote Ausgangsposition. "Schade für den Burschen, aber wir dürfen uns auch wegen dieser Verletzung überhaupt keine Illusionen machen", sagt Krankl. Auf der einen Seite befinde sich das kleine Österreich, auf der anderen das Mutterland des Fußballs, das "einen sehr gepflegten Fußball spielt."

"Sehr modern agiert"

Kovacic hat alle Spiele der Engländer in Portugal beobachtet, Krankl die Briten gegen die kroatische Baric-Truppe am 21. Juni im "Stadion des Lichts" 4:2 siegen gesehen und die restlichen Partien via Fernsehen miterlebt. "Sie haben nicht typisch britisch und auch nicht Kick and Rush gespielt, sondern sehr modern agiert", meinte er zu den vier EM-Auftritten der Schützlinge von Sven-Göran Eriksson auf der iberischen Halbinsel. Junge, pfeilschnelle Stürmer, ein großartiges Mittelfeld, eine stabile Abwehr und einen guten Keeper, so charakterisiert Krankl die Engländer.

Als "eine Macht" bezeichnete der 51-Jährige das Mittelfeld mit "vier Spielern, die Tore auflegen, selbst schießen und spielerisch und kämpferisch stark sind." Von dem Quartett hat ihm Steven Gerrard von FC Liverpool am besten und David Beckham von Real Madrid "am wenigsten" gefallen. "Aber er ist schon ein Klassespieler und ein Kapitän, wie er sein soll." In der Abwehr stünden Campbell und Terry sicher und außen hätten P. Neville und A. Cole ebenfalls sehr gut Leistungen gebracht.

England noch gegen Ukraine

Krankl und Kovacic haben vor dem England-Spiel noch einmal Gelegenheit, die Briten unter die Lupe zu nehmen. Wenn die Österreicher am 18. August in der Prater-Arena Vize-Weltmeister Deutschland als Gratulant zum 100. Geburtstag des ÖFB als Gegner haben, bestreiten Beckham und Co am selben Tag im St. James' Park von Newcastle gegen die Ukraine ihre Generalprobe für das erste WM-Quali-Spiel in Wien. "Das werden wir sicher auch unsere Spione hinschicken", kündigte Krankl an.

Vor den sechs letzten EM-Partien zog Krankl eine erste Bilanz, was das Niveau betrifft. "Eine Weiterentwicklung des europäischen Fußballs im technisch-taktischen Bereich und der bekannten Spielsysteme habe ich nicht gesehen. Dafür wird aber irrsinnig schnell gespielt, die Ball-Annahme, -Behandlung und -Abgabe erfolgt von den Klassespielern im höchsten Tempo und mit Präzision", so der Wiener.

Kovacic beeindruckt

Kovacic ist von England tief beeindruckt. "Das ist eine tolle Mannschaft mit zwei brandgefährlichen Spitzen, einem kompakten Mittelfeld und einer soliden Viererkette", meinte Kovacic, der das dramatische EM-Viertelfinal-Out der Insel-Kicker gegen den Gastgeber so wie die drei Gruppenspiele zuvor live vor Ort mitverfolgt hatte.

Dennoch sei Österreich zum Auftakt der WM-Quali am 4. September in Wien gegen die Eriksson-Elf nicht chancenlos. "Wenn wir mit Herz, Kampf und Willen spielen, können wir auch England besiegen", so Kovacic, der seine aus Portugal mitgebrachten Erkenntnisse nun mit Krankl besprechen wird. "Ich habe bei den Engländern sehr viel gute und nur ganz wenig schlechte Sachen gesehen. England ist derzeit sicher eine Klasse besser als wir." (APA)

  • Diese Herren sehen wir schon bald im Prater.

    Diese Herren sehen wir schon bald im Prater.

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