"Respekt steht ganz oben"

30. September 2004, 17:19
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Am Sonntag begab sich auf der Wiener Hohen Warte das absolut erste Match im Gaelic Football auf österreichischem Boden. Mastermind Ray Laverty im derStandard.at-Interview

Gaelic Football und Hurling sind die irischen Nationalsportarten. Wogegen Hurling - ein Spiel mit Schläger und Hockey ähnlichem Ball - tatsächlich auf historische Vorläufer verweisen kann, ist Gaelic Football eine konstruierte Disziplin mit Elementen aus Fußball und Rugby. Die Teams bestehen aus 15 Spielern, davon ein Keeper. Dieser hütet ein Tor ähnlich jenem beim Fußball - jedoch zusätzlich mit Malstangen wie beim Rugby ausgestattet.

Beide Spiele wurden im Zuge des Celtic Revival des späten 19. Jahrhuderts wiederbelebt bzw. popularisiert und in der Gaelic Athletic Association (GAA) organisiert. Das Ethos der GAA ist durch ihre Opposition gegenüber der damals in Irland dominanten englischen (Sport)-Kultur gekennzeichnet und hatte immer auch deutliche politische Implikationen. Zum Ausdruck kam dies etwa im bis 1972 gültigen Verbot für GAA-Mitglieder, "englische" Spiele auszuüben oder auch nur in irgendeiner Weise mit ihnen in Berührung zu kommen. Angehörigen der nordirischen Sicherheitskräften waren bis in die 1990er Jahre von einer Mitgliedschaft ausgeschlossen.

Der Historiker F.S.L. Lyons beschreibt eine der bleibenden gesellschaftlichen Leistungen der GAA folgendermaßen: "It not only revived the Irishman's local pride in his county, but his national pride in his country. The currents of thought and feeling that where beginning to excite the intellectuals, the thrill of participation in great events that occasionally come to the townsman, were not for him, living out his laborious life in a fast-emptying landscape. What he needed was something that would catch his imagination by its colour and movement and at the same time recall to him an aspect of the Irisch civilisation to which he was, however impoverished, the heir. (...) This was its chief contribution to the revial of national feeling in rural Ireland." (1)

Bis heute sind beide Spiele hochpopulär, und die Finalspiele um die auf Grafschafts(=County)-Ebene organisierte irische Meisterschaft im 80.000 Zuschauer fassenden Croke Park in Dublin in Windeseile ausverkauft.

Nun soll auch in Wien gespielt werden. Und auch hier scheint die Begeisterung - zumindest innerhalb der irischen Community - groß. Innerhalb weniger Wochen hat Mastermind Ray Laverty eine Mannschaft organisiert, am Sonntag machten die Vienna Gaels das erste Football-Match auf österreichischem Boden gegen ein Team aus Budapest. Michael Robausch hat mit Ray Laverty gesprochen.

derStandard.at: Was war deine Motivation in Wien eine Mannschaft zu organisieren und wie hat das alles begonnen?

Ray Laverty: Naja, ich hab natürlich in Irland sowohl Gaelic Football als auch Hurling gespielt. In Wien bin ich nun seit sieben Jahren und mit ein paar Freunden haben wir immer im Prater ein bisschen rumgespielt. Genaugenommen haben wir gemischt. Weil einer von meinen Freunden ist Australier, und da haben wir erst einmal eine Stunde Hurling gespielt und sind dann auf Aussie Rules Football umgestiegen. Voriges Jahr hab ich dann eine Pause eingelegt, aber heuer wollte ich wieder anfangen. Und - weil ich für eine internationale Jugendorganisation arbeite - fand ich heraus, dass heuer das Europäische Jahr des Sports ist und Finanzbeihilfen für Minderheiten-Sportarten zur Verfügung stehen. Ich hab mich dann an die irische Botschaft gewandt und gesagt: Hey, das wär doch eine Möglichkeit.

derStandard.at: Und die Mittel kommen von der Europäischen Union?

Laverty: Würden sie, ja. Aber wir haben noch keinen Antrag gestellt. Jedenfalls haben mir die gesagt, ich solle eine Liste von interessierten Leuten zusammenstellen. Ich habe dann damit begonnen ein, zwei Poster zu zeichnen und sie mit der Mailing List der Botschaft und der Österreichisch-Irischen Gesellschaft zu verschicken. Und ich nutzte auch meine alten Kontakte. Naja und innerhalb von drei Stunden hat die Sache abgehoben....

derStandard.at: Du hast dich also in erster Linie auf das Netzwerk der Auslandsiren konzentriert?

Laverty: Ja, ich konzentrierte mich auf die irische Szene, in Pubs und auch auf meine Studenten. Nur um einmal herauszufinden, ob es Interesse gibt. Und dann hab ich schon am nächsten Tag ein Mail aus Budapest bekommen, wo drin stand: Wir wollen ein Match gegen euch. In drei Wochen. (lacht.) Weil die fahren zu einem Turnier in München und wollten vorher ein zwei Testspiele, denn sie hatten auch erst heuer angefangen. Und dann sagte ich: Ok, kommt nach Wien und wir nützen das Spiel um die Sache hier vom Stapel zu lassen.

Und dann begann der Spass damit, ein Spielfeld zu finden. Denn das größe Problem ist, es gibt kaum Felder, die groß genug sind. Auch das Spiel jetzt wird nur elf gegen elf sein, statt 15 gegen 15. Das nächste Problem sind die Tore. Und das dritte, ein großes Netz hinter den Toren. Denn beim Hurling kann das ganz schön gefährlich werden. Dann bin ich auf die Hohe Warte gegangen, aber das war schon ein bisschen teuer. Und dann hab ich gesagt: Ok, machen wir es auf der Hohen Warte, aber machen wir gleich ein ganzes Programm - nicht nur ein Football-Match, sondern einen ganzen Nachmittag. Ich hab dann ein Meeting organisiert, und Donal O'Farrel, der Manager von Charlie P's war da. Er hat mir viel geholfen, fast alles. Wir haben uns die Aufgaben geteilt. Und er hat auch Sponsoring von verschiedenen Pubs arrangiert und ich hab Sponsoring von Leasing Organisationen arrangiert, denn meine Frau arbeitet für "Immorent", und so hatte ich einige Kontakte.

Und dann sagten wir: lasst uns Live-Musik haben und einen Clown für die Kinder und machen wir dies und das auch noch. Es war gut, dass wir auch mit anderen zusammengekommen sind, denn Donal und ich hatten sowas noch nie gemacht. Wir hatten keine Ahnung, wie man die Veranstaltung beim Magistrat anmeldet und das mit der Vernügungssteuer läuft! (lacht.) Wir konnten nicht fassen, dass man der Stadt zehn Prozent von den Einnahmen zahlen muss. Aber durch unser Netzwerk fanden sich Leute die sagten: Ich kann das machen und ich kann jenes machen. Irische Tänzer werden auch kommen - es war halt ein Schneeball-Effekt, es hat einfach abgehoben.

derStandard.at: Wird es also richtige Torstangen geben?

Laverty: Äh, naja. Wir werden behelfsmäßige Stangen haben. Es gibt die normalen Fußballtore und dahinter stehen die American Football-Tore. Das einzige Problem ist ... also, von der Seite sieht es ein klein bisschen lächerlich aus, aber von der Mitte, aus der Sicht der Spieler, geht es. Zwischen den beiden Toren ist gewisser Abstand, aber das macht nichts - nur das Tor für die Punkte ist eben schmäler als jenes für die Tore.

derStandard.at: Wie ist das mit den Abmessungen des Tores bei den Gaelic Games. Ähnlich wie beim Fußball?

Laverty: Ja, die sind ungefähr gleich groß. Das Spielfeld ist aber größer. Es muss mindestens 130 Meter lang sein, normaler Weise variiert es zwischen 130 und 150 Meter. Und es ist, glaube ich mindestens 100 Meter breit, oder 120 Meter. Schießt man über die Querlatte aber zwischen die Malstangen (ähnlich jenen beim Rugby) gibt es einen Punkt. Drei Punkte ergeben ein Tor. Drei Punkte zählen also gleich viel, wie ein Tor. (Erzielt man, wenn man ins Tor trifft.)

derStandard.at: Es scheint also, dass es in Kontinental-Europa schon eine Gaelic-Szene gibt?

Laverty: Mir war das auch nicht bekannt. Ich wusste, dass es in England eigene Ligen gab, denn ein Londoner Team spielt in der irischen Meisterschaft mit. Und in New York haben sie auch eine Mannschaft. Aber ja, es gibt ein Turnier in Europa. Das ist keine richtige Liga, insgesamt sind 25 Städte dabei und die, die sich geografisch am nächsten liegen, treffen sich zu separaten Turnieren. Damit die Reisekosten möglichst niedrig bleiben. Gestern bekam ich einen Anruf aus Barcelona, die uns eingeladen haben, hinzukommen (lacht). Deutschland ist dabei, Budapest, jetzt kommen wir, Brüssel, Luxemburg und im Norden. Skandinavien. Also da sind schon ein paar. Und soweit ich sehen kann, sind die recht gut organisiert per Mail und durch Webseiten.

derStandard.at: Und wer wird für Wien spielen?

Laverty: Im Moment sind alle Iren. Es sind ein oder zwei Leute aus den Bars dabei, die zum Training gekommen sind. Die haben noch nie gespielt. Aber wenn man Gaelic Football spielt und du hast keine Ahnung um was es geht, kann man einfach Fußball spielen. Man kann den Ball immer am Boden spielen, das ist sozusagen ein Sicherheitsnetz für sie. Wenn sie spielen wollen. Und überhaupt wird das ja nur ein Demonstrationsspiel. Wie ich schon gesagt habe, spielen wir nur elf gegen elf - weil die Budapester haben insgesamt nur 15 Leute - und zweimal 20 Minuten, statt zweimal 35. Es wird "Rolling Subs" geben, was einfach heißt, sobald du müde bist kannst du dich rausschleppen und ersetzen lassen. Und wahrscheinlich werden ein paar von uns für Budapest spielen.

derStandard.at: Ist es dein Ziel, Österreicher dazu zu bringen, auch mitzumachen?

Laverty: Ja. Wir hoffen, dass wir nach dem Spiel einigen Österreichern ein bisschen zeigen können, wie man spielt. Und dann gibts eine Hurling-Demonstration. Ein kurzes Spiel, vielleicht fünf gegen fünf.

derStandard.at: Hurling ist wahrscheinlich etwas schwieriger zu organisieren, wegen der notwendigen Ausrüstung?

Laverty: Ja, wir haben zum Beispiel nur zehn Schläger. Ich habe mich dann an die Leute aus Barcelona gewandt - denn es ist nicht leicht, die Dinger schnell aus Irland herzutransportieren. Ich hatte welche organisiert, ein Dutzend kriegt man schon um 250 Euro. Das ist Ok. Aber es kostet noch einmal so viel, wenn sie schnell versandt werden sollen. Ich habe also nach Barcelona geschrieben, denn einer von den Leuten dort arbeitet für die Euroleague oder ist sogar im Vorstand. Und gestern kam ein Anruf und er sagte: Vielleicht sehe ich dich am Sonntag. Der hat sich also überlegt: Ich schnappe mir ein paar Schläger und fliege nach Wien, verbringe das Wochenende hier und promote die Liga ein bisschen. Eine Hand wäscht die andere.

Wir machen dann auch einen Wettbewerb für die Österreicher, ein sogenanntes Poc-Fada. Das gibt es in Irland auch, und es geht im Prinzip darum wer den Ball am weitesten schlagen kann. Und dann werden hoffentlich einige Kinder da sein, die sagen: Papa, so einen Schläger will ich auch.

derStandard.at: Was kannst du ÖsterreicherInnen, die von den Spielen noch nie etwas gehört haben, über deren Charakteristik sagen? Was muss ein Spieler können?

Laverty: Nun. Respekt steht ganz oben, bei beiden Spielen. Es ist härter, physischer als Fußball. Beide sind sehr schnell und technisch anspruchsvoll. Wenn man in Irland aufwächst - ich schreibe gerade darüber - für uns ist das wie das Ski fahren für die Österreicher. Wir sind verblüfft wenn wir Dreijährige hier die Piste runterfahren sehen. In Irland sieht man die Kids eben mit dem Schläger herumlaufen. Der ganze Körper ist gefordert. Nicht wie Fußball, wo man keinerlei Kontakte mit den Händen hat. Es ist ein Full Contact-Sport und beim Gaelic Football gibt es keinerlei Schutzkleidung, die wäre ein Hindernis. Beim Hurling muss man jetzt Helme tragen.

Der Grund warum die Spiele oft rau wirken - ich würde sagen, sie sehen rauer aus, als sie wirklich sind - ist die Nähe der Spieler zueinander. Im Fußball sind die Spieler oft ziemlich weit voneinander enfernt, im Gaelic Football muss man unmittelbar an seinem Gegenspieler dran bleiben. Die ganze Zeit.

derStandard.at: Darum wohl auch die hohen Anforderugen an die Disziplin, weil sonst würde das Spiel in eine Rauferei ausarten?

Laverty: Es sind Spiele, in denen Größe nichts ausmacht. Besonders im Hurling. Im Hurling sieht es so aus: Du hast einen Schläger, ich hab einen Schläger. Die Grundregel lautet: Je näher man sich am Gegenspieler aufhält, desto weniger Schaden kann er anrichten. Bist du weiter weg und ich ziehe durch, hast du den Stock am Kopf. Stehe ich neben dir, kann nicht viel passieren. Das ist vergleichbar mit Eishockey. Je enger am Mann du bist, desto sicherer bist du. Beim Football ist das ähnlich.

Es geht alles sehr schnell, denn es gibt kein Abseits. Corner übrigens auch nicht. Wenn der Ball ins Toraus geht, wird von der 45-Meter-Linie weitergespielt. Und weil man auch durch Schüsse oberhalb der Querlatte punkten kann, ändert sich auch der Spielstand sehr rasch. Wenn man kurz aufs Klo geht, verpasst man also was. Du kannst zum Beispiel einen Abschlag vom Tormann fangen und von der Mittellinie aus zurückschießen und scoren. Das macht das Spiel schnell und sehr aufregend.

derStandard.at: Was mir aber immer bemerkenswert erschien, ist die Position des Goalies. Wenn die Spieler über die Querlatte zielen ist er sowieso Chancen los. Aber dann können sich die Feldspieler beim Football ja den Ball auch aus den Händen selbst vorlegen und knallen aus fünf Metern volley ins Tor und der Tormann hat wieder keine Chance. Also, wer will Tormann sein, bei den Gaelic Games?

Laverty: (Lacht.) Goalkeeper ist schwierig. Es gibt ja wie gesagt auch kein Abseits. Ich meine, da ist ein kleiner Raum rund um den Torhüter - das ist ähnlich wie Abseits - wo kein anderer Spieler vor dem Ball drin stehen darf. Beim Gaelic Football ist es nicht so schlimm, aber beim Hurling ist er echt arm dran. Sein Stock ist zwar ein bisschen größer als der der Feldspieler, aber man muss sich vorstellen: Ein paar Meter vor ihm kann einer stehen, der hat Stock und Ball. Ein Schuss kann 130, 140 km/h schnell werden - und den soll er dann abwehren.

Der Goalie ist übrigens "heilig", man darf ihn nicht tacklen. Man kann schon Druck ausüben, damit er einen Fehler macht, aber eigentlich attackieren kann man ihn nicht. Und manchmal sieht man schon fantastische Sachen von ihnen - wenn sie quer in der Luft liegend mit dem Schläger den Ball halten. Was beide Spiele voraussetzen, ist wirklich gute Hand-Augen-Koordination. Wie beim Tischtennis.

derStandard.at: Die Positionen bei den Gälischen Spielen scheinen nicht so stark ausdifferenziert zu sein, wie man das etwa aus dem Fußball kennt?

Laverty: Nicht so sehr, nein. Normalerweise sieht eine Aufstellung so aus: Es gibt drei Fullbacks, drei Halfbacks. Dann zwei im Mittelfeld. Und vorne dann drei Halfforewards und drei Fullforewards. Die sind meistens die Kleinsten. So sehen die Startformationen aus, das ändert sich dann je nach dem Stil der Mannschaft. Die acht Leute in der Mitte laufen normalerweise deutlich mehr als die Fullbacks und die Fullforewards. Die Fullbacks können nicht wirklich mit nach vorne gehen weil der Tormann ist ... naja, er hat ein großes Tor. (lacht.) Sie sind die letzte Verteidigungslinie, falls die durchbrochen wird hat der Goalie kaum eine Chance.

Sie verändern ihre Position also nicht so sehr, und die Fullforewards auch nicht. Aber die anderen springen ordentlich rum. Was die Strategie betrifft, tut man sich nicht soviel an wie im Fußball, wo mit viel genauer planen muss. Das ist nicht nötig, denn man kann von hier (zeigt auf einem skizzierten Spielfeld in dessen Mitte) scoren. Man muss den Ball nicht erst nach vorn manövrieren. Es ist also weniger Taktik notwendig. Was natürlich nicht heißt, dass es gar keine gibt. Natürlich versucht man, Schwachpunkte beim Gegner auszunützen. Und bei 15 Spielern passiert es oft, dass einer ausgeschlossen wird.

derStandard.at: Ist das dann auch so entscheidend wie beim Fußball, wenn man einen Mann verliert?

Laverty: Nein, nicht ganz so. Es kommt oft vor, dass man mit 14 Leuten gewinnt.

derStandard.at: Sind für die Wiener Mannschaft regelmäßige Trainings vorgesehen?

Laverty: Ja. Bisher haben wir immer am Sonntag trainiert. Im Prater oder auf der Donauinsel. Die Donauinsel war toll, zuletzt. Es hat total geschüttet und es war großartig. Der Regen ist uns egal, wir sind ja damit aufgewachsen. Wir waren nicht einmal zu zehnt, und nach zwei Stunden total durchgeweicht. Matsch und alles. Großartig. Wir wollen mit dem Training natürlich weitermachen, aber wir werden es wohl nur am Sonntag machen können. Weil viele unter der Woche lange arbeiten müssen ... es wird wohl Sonntag nachmittag bleiben.

derStandard.at: Wie groß ist die Gruppe im Moment?

Laverty: Ich habe jetzt 46 Leute beisammen, die spielen wollen. Männer und Frauen. Denn es gibt beide Spiele ja auch für Frauen. Die Hurling-Variante heißt Camogie. Beim Football unterscheiden sich die Regeln kaum. Frauen dürfen etwa den Ball direkt vom Boden mit der Hand aufnehmen, was bei den Männern nicht erlaubt ist. Dort muss er mit dem Fuß gelupft werden. Aber das Feld ist das gleiche, die Regeln sind also nur leicht modifiziert.

derStandard.at: Glaubst du, dass es gelingen wird, Österreicher zum Mitmachen zu bewegen? Gibt es da Erfahrungswerte von Klubs aus anderen Städten?

Laverty: Ja. Normalerweise beginnt man mit irischen Spielern. Aber dann wird versucht, mehr und mehr Einheimische einzubauen. Nach einem oder zwei Jahren ist das Verhältnis oft schon 50:50. Gut ist auch, dass Australier und Amerikaner kommen. Australian Football ist ziemlich ähnlich. Die Amerikaner machen erst einmal große Augen, denn von ihrem Football kennen sie rundum gepolsterte Spieler. Wenn sie dann Hurling sehen, sind sie nicht mehr sicher, ob sie das wirklich spielen wollen. (lacht.)

Meine Vision wäre, hier einen Klub zu haben und sich auf die Euroliga zu konzentrieren - im Football in erster Linie - und das Spiel bekannter zu machen. Dann könnte ich mir vorstellen, dass es auch in Graz oder Salzburg Klubs geben könnte. Das hängt aber jeweils von der Größe der dort ansässigen irischen Community ab. Die Iren glauben ja, dass die Leute aus den Pubs die einzigen in der Stadt sind. Aber das stimmt nicht. Es gibt etwa recht viele Geschäftsleute, die hier arbeiten - ich ersehe das jetzt daraus, wer sich aller bei uns gemeldet hat.

Bratislava und Prag werden die nächsten sein, und dann hätten wir schon ein paar zusammen. Gespielt würde ja ohnehin nur über den Sommer. Ein großes Problem wird es werden, einen geeigneten Platz für regelmäßiges Training zu finden, für den man nicht 200 Euro für zwei Stunden zahlen muss. Die Preise hier in Wien sind nämlich schlimm. Und außerdem kommen nur Rasenfelder in Frage.

Und dann hoffen wir auch, die Internationalen Schulen einzubinden. Man muss Gaelic dort nicht als regulären Sport etablieren, aber vielleicht kann man Exhibitions machen oder so. Denn der Schlüssel ist natürlich, junge Leute zu involvieren. Ich habe das beim Rugby gesehen, wie sich das entwickelt hat. Dort gibt haben wir jetzt ein österreichisches Nationalteam. Ein paar Rugbyspieler machen übrigens auch bei uns mit.

Ein Vorteil könnte auch sein, dass unsere Saison erst beginnen wird, wenn der Fußball in der Sommerpause ist. Das ist also eine gute Möglichkeit für Fußballer auch in diesen Monaten etwas zu machen.

derStandard.at: Werdet ihr nun eigentlich um die EU-Mittel ansuchen?

Laverty: Ja. Ich habe ein paar Freunde die sind da dran. Aber auch die Euroliga stellt Mittel zur Verfügung. Ich habe im Juli einen Jugendaustausch organisiert, da geht es um Integration durch Sport. Das wird in Brüssel im Prinzip aus dem selben Budgettopf finanziert. Darum kenne ich die entsprechenden Antragsformulare. Es ist einfach viel bürokratische Arbeit. Die Bearbeitung dauert sehr lange, es kann also passieren, dass ich heuer ansuche und erst im nächsten Jahr etwas bekomme. Man kann sich auch nicht auf Summen einstellen, denn bekannt sind nur die Zahlen für das Gesamtbudget und man weiß nicht, ist das für zehn Vereine oder für fünfzig.

Eines der Ziele der Veranstaltung am Sonntag ist darum auch, möglicher Weise längfristigere Sponsorvereinbarungen zusammen zu bringen. Man wird sehen, wie es läuft. Aber wenn wir es schaffen eine gewisse Aufmerksamkeit für den Sport herzustellen, kann ich mir schon vorstellen, dass dann ein oder zwei Unternehmen kommen und sagen: Okay, wir machen das jetzt für ein oder zwei Jahre. So ähnlich wie bei den American Football-Vereinen in Wien. Man beginnt mit vielen kleinen Geldgebern und irgendwann hat man dann weniger, aber größere. So sehen wir das auch für uns. Immerhin lautet unser Motto "Wenn schon, denn schon"! Da steckt nämlich schon viel Arbeit dahinter am Anfang, aber ich hoffe das macht uns das Leben danach einfacher.

Die Hohe Warte ist teuer. Also dachten wir, wenn wir das machen, dann gleich ordentlich. Ich denke alle profitieren davon. Das Logo von meiner Firma ist auf dem Plakat, die Musiker, die Tänzer. Die machen das alle, um ihre Sache weiter zu bringen. Wie in Irland eigentlich, weil bei einem GAA-Klub geht es nicht nur um den Sport. Da gehört auch das Tanzen dazu, und das Dichten. (Übersetzung: Michael Robausch)


Zur Person: Ray Laverty (li) wurde im irischen County Donegal geboren. Er ist in der internationalen Jugendarbeit tätig und bietet maßgeschneiderte Englischkurse an. Seit sieben Jahren lebt er in Wien. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Interessenten, die bei den Gaels mitmachen wollen, können sich auf www.lylt.net informieren.

(1) F.S.L. Lyons: "Ireland Since The Famine", Faber Press, Ninth Impression 1985.

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