Frauen und Frauenbilder in der jüdischen Presse

1. Juli 2004, 11:22
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Die 14. Internationale Sommerakademie des Instituts für Geschichte der JüdInnen in Österreich in Zusammenarbeit mit der Deutschen Presseforschung, Universität Bremen, beschäftigt sich zwischen dem 4.-7. Juli 2004 mit dem Thema "Frauen und Frauenbilder in der jüdischen Presse".

Alle Vorträge finden im BAWAG-Veranstaltungszentrum Hochholzerhof
1010 Wien, Seitzergasse 2-4
statt.
Tel: 02742-77171, Fax: 02742-77171-15
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Die Sommerakademie ist für Studierende bis 26 Jahre gratis.

Hintergrund

"Radikal, raffiniert, gebildet" - das ist eine Darstellung jüdischer Frauen um 1900. Andere gehörten der Frauenbewegung an, die vom christlichen Umfeld als "jüdisches Phänomen" punziert wurde, obgleich auch viele Nichtjüdinnen sich in diese Richtung engagierten. Noch andere bereiteten sich auf die neue Gesellschaft im vorstaatlichen Israel vor. Doch auch die perfekte Hausfrau war eines der Rollenbilder.

Inhalte

Die Historikerin Elisabeth Malleier wird sich am ersten Konferenztag mit der Rezeption der Frauenbewegung in der Wiener jüdischen Presse vor 1938 befassen. Die Ausgangssituation: in Wien wurden um 1900 feministische Aktivistinnen des "Allgemeinen österreichischen Frauenvereins" von deutschnationaler und klerikalkonservativer Seite beschuldigt, gemeinsam mit "den Juden" den Untergang der christlichen Familie vorzubereiten. Die Frauenbewegung selbst wurde dabei zu einem "jüdischen Phänomen" erklärt, von dem sich jede anständige christliche Frau fernzuhalten habe. Malleier hat sich dazu den Diskurs zur Frauenbewegung in der deutsch-jüdischen Presse angesehen.

Die Politikwissenschafterin Brigitta Eszter Gantner wiederum hat in der ungarisch-jüdischen Presse der Jahrhundertwende nachgelesen und daraus ein Bild jüdischer Studentinnen gezeichnet. Demnach gingen die Töchter jüdischer bürgerlicher Familien als Romanfiguren in die ungarische Literatur um 1900 ein. Sie wurden als gebildete, kultivierte, raffinierte Wesen dargestellt, die unglaubliche Freiheiten genossen, welche die konservativ christlich aufgewachsenen Mädchen nie erleben durften. Viele dieser Töchter seien in den sich bildenden politisch radikalen Kreisen des "Fin de Siecle" Budapests zu finden gewesen. Einer der wichtigsten Kreise war der Galilei-Zirkel, der sich als erster mit den Lebensumständen der Frauen bzw. Studentinnen beschäftigte.

Polen

Ihren Blick nach Polen richtet die Geschichtswissenschafterin Katrin Steffen. Die in Warschau zwischen 1928 bis 1933 herausgegebene Frauenzeitschrift "Ewa" trat engagiert für eine emanzipierte Rolle der Frau und für Geburtenkontrolle aus. In der Sprache der damaligen Zeit wurde letztere mit "bewusste Mutterschaft" umschrieben. Auch in anderen Fragen wie einem neuen Eherecht oder der mangelnden politischen Repräsentanz forderten die Frauen um "Ewa" emanzipatorische Innovationen für alle Frauen in Polen.

Weitere Beiträge befassen sich mit den Themen "Journalistinnen in der jüdischen Presse Österreichs in der Ersten Republik", "Das Frauenbild jiddischsprachiger Schriftstellerinnen" oder "Mädchen und Frauen als Zielpublikum jüdischer Periodika in Deutschland vor 1850".

(red)

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Detailliertes Programm der Tagung
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