Pensionsvorschuss: Frauen kippen immer öfter in die Armutsfalle

8. Juli 2004, 21:04
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29.000 Menschen wollen in "Frühpension" - 80 Prozent abgelehnt

Wien - Immer mehr der auf rund 29.000 explodierten Zahl älterer, kranker ArbeitnehmerInnen, die einen Pensionsantrag laufen haben, stehen ohne Cash da. Pensionsvorschüsse sind nämlich zwar nach oben mit 26,4 Euro/Tag begrenzt, nach unten aber offen und können auf null sinken, wenn der Anspruch auf Pensionsvorschuss erschöpft ist. Weil der so genannte Pensionsvorschuss in der Praxis gar kein Vorschuss, sondern eine Variante des Arbeitslosengeldes ist, kann es damit für über 50-jährige Joblose in der Regel nach 52 Wochen vorbei sein. Danach kann nur Notstandshilfe bezogen werden, für deren Höhe jedoch das Einkommen eines Partners/einer Partnerin herangezogen wird.

Fürstlich darf dies nicht sein: "Übersteigt dessen Lohn eine bestimmte Höhe, hat der Partner, der einen Pensionsvorschuss braucht diesen - wegen der untersten Freigrenze von derzeit 441 Euro - schon verspielt", führen ExpertInnen der Arbeiterkammer Niederösterreich aus. 90 Prozent der mit entsprechenden Negativbescheiden Abgefertigten sind Frauen.

Aktenstau

Durch den derzeitigen Aktenstau bei Pensionsversicherungsanstalten und Sozialgerichten fallen immer mehr Betroffene um Arbeitslosengeld beziehungsweise Notstandshilfe um, heißt es.

Auf STANDARD-Anfrage stellen KritikerInnen deshalb generell die Forderung einer "ökonomischen Mindestsicherung" auf. Sie führen etwa das Beispiel einer berufstätigen Frau an, "deren Einkommen von zuvor 1500 Euro, nach Krank-und Arbeitslosigkeit und abgelehntem Pensionsvorschuss, auf diese Art innerhalb von zwei Jahren auf null absacken kann".

Zurzeit werden rund 80 Prozent der Pensionsanträge abgelehnt. Die Menschen fallen danach in die Arbeitslosigkeit zurück. Das Problem ist nur: Schon kerngesunde über 50-Jährige suchen immer länger nach einem Job. Eine 55-jährige Frau war im Mai dieses Jahres im Schnitt 194 Tage ohne Job. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 173 Tage. Bei den besonders schwer vermittelbaren, älteren Langzeitarbeitslosen sind mittlerweile 10.000 über 50-Jährige gemeldet. (Monika Bachhofer/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.6. 2004)

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