Lisl Ponger und Elfie Semotan ausgezeichnet

20. Juli 2004, 19:48
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Fotokünstlerinnen erhielten goldenes Verdienstzeichen des Landes Wien

Wien - Lisl Ponger, Fotokünstlerin und Filmemacherin, und Elfie Semotan, Fotokünstlerin, sind am Donnerstag im Wiener Rathaus mit dem "Goldenen Verdienstzeichen des Landes Wien" ausgezeichnet worden. Damit werde gleichzeitig auch das Medium Fotografie ausgezeichnet, das oft nicht genügend wahrgenommen werde", meinte Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S) bei der Verleihung. Beide Fotokünstlerinnen hätten viel mit Menschen zu tun, beiden gelinge es, dass die Menschen, mit denen sie arbeiten, sich ernst genommen fühlen, Vertrauen schöpfen und sich öffnen.

"Diskurs ist Notwendigket"

Die Kunsttheoretikerin und Ausstellungskuratorin Brigitte Huck würdigte Ponger in ihrer Laudatio als "eine der bemerkenswertesten und wortgewaltigsten Intellektuellen dieses Landes": "Für sie ist Diskurs kein schickes Schlagwort, sondern eine Notwendigkeit".

Lob auf Arbeitsstil

Der Linguist Martin Prinzhorn betonte in seiner Lobrede auf Elfie Semotan ihre Besonderheit "etwas aufzuspüren, was nicht offensichtlich ist". "Ihre konkreten Inszenierungen dienen dazu, die Inszenierungen, die wir erwarten, aufzulösen. In ihrer Arbeit mit Supermodels, unbekannten Models, Personen aus dem FreundInnenkreis und KünstlerInnen lasse sie keine Hierarchie und keinen Bruch zwischen Profis und Nicht-Profis aufkommen, lobte er zudem ihren Arbeitsstil.

Lisl Ponger: Vita und Werk

Lisl Ponger, geboren 1947 in Nürnberg, absolvierte die Graphische Lehr- und Versuchsanstalt in Wien und arbeitete als Fotografin. Sie fotografierte bei Aktionen von Peter Weibel, Otto Mühl und Hermann Nitsch. Die Jahre von 1974 bis 1978 verbrachte sie dann in den USA und in Mexiko, wo sie mit einer geliehenen Kamera ihren ersten Film drehte. Nach Wien zurückgekehrt, drehte sie eine Reihe von weiteren Filmen im Format Super 8 ("Souvenirs", 1981; "Tendencies to exist", 1984; "Train of recollection", 1988; "Semiotic ghosts", 1990). 1991 erschien der Fotoband "Doppleranarchie" mit Lisl Pongers Fotos der Wiener Künstlerszene aus den turbulenten Jahren 1967-1972.

1993 produzierte der Wieser Verlag in Klagenfurt Pongers bisher erfolgreichstes Fotobuch "Fremdes Wien", das die Vielfalt der in Wien lebenden Nationalitäten zeigt. 1995 folgte der Band "Xenographische Ansichten", 1999 der gemeinsam mit Felicitas Heimann produzierte Fotoband "Wiener Einstellungen", in dem sie auf der Basis eines rekonstruierten Stadtplans des jüdischen Wiens der 30er Jahre die heutigen Gebäude und Plätze fotografiert. Ebenfalls 1999 erschien "Frauen in Wien", 2001 folgte ein weiterer Band der Reihe mit Aufnahmen von Migrantinnen. 1988 erhielt Ponger den Förderungspreis und 1994 den Österreichischen Würdigungspreis für Filmkunst.

Elfi Semotan: Vita und Fotoarbeiten

Elfie Semotan (Elfie Kippenberger-Kocherscheidt) wurde 1941 in Wels geboren. Nach einer Ausbildung an der Modeschule Hetzendorf arbeitete sie einige Zeit als Fotomodel in Paris, beschäftigte sich später selbst mit Fotografie und ist seit 1971 als Modefotografin tätig. Seit 1986 fotografiert sie exklusiv für den österreichischen Modeschöpfer Helmut Lang. Die Galerie "Westlicht" in der Westbahnstraße zeigte im Juni 2001 ihre Arbeiten. Neben ihrer Arbeit für Helmut Lang, fotografiert sie für internationale Magazine wie "Vogue", "Elle", "Esquire", "Marie Claire" und "Harpers Bazaar", macht Reisedokumentationen, Künstlerporträts und illustriert Werbekampagnen für die Mode- und Lifestyle-Branche. Bekannt wurde Semotan, die 1999 mit dem Preis der Stadt Wien für Bildende Kunst 1998 ausgezeichnet wurde, auch durch ihre Plakatentwürfe für den österreichischen Wäschekonzern Palmers ("Trau dich doch") und den Mineralwasserhersteller Römerquelle ("Römerquelle-Dreier"). Sie lebt und arbeitet hauptsächlich in New York. (APA)

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    "Destiny Deacon" - Fotoarbeiten von Lisl Ponger, zuletzt zu sehen im Salzburger Kunstverein
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