Rosicky: "Wir sind die besseren Fußballer"

25. Juni 2004, 11:25
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Tschechien nach Eliminierung Deutschlands voller Tatendrang und heißer Anwärter auf den Turniersieg - Karel "Kleki Petra" Brückner: "Turnier-Favorit? Das glaube ich nicht!"

Lissabon - Nach dieser Leistung war ein wenig Schadenfreude erlaubt. Torschütze Marek Heinz stolzierte voller Genugtuung vom Platz, und selbst Ersatzmann Tomas Rosicky konnte sich ein Dauer-Grinsen nicht verkneifen. Die als B-Elf titulierten Teilzeitarbeiter von Tschechien haben mit ihrem 2:1-Erfolg nicht nur Deutschland den EM-K.o. versetzt, sondern auch sich selbst und ihre für das Viertelfinale geschonten Kollegen endgültig zum heißen Anwärter auf den Turniersieg in Portugal gemacht.

"Alles ist möglich. Wir können jede Mannschaft in Europa schlagen. Wir können jetzt mit voller Kraft auf die Dänen gehen", betonte Rosicky nach dem Sieg am Mittwoch in Lissabon und verbarg auch einen Seitenhieb auf die gescheiterten Deutschen nicht: "Wir sind die besseren Fußballer. Wenn unser B-Team sie schlägt, was soll man da schon sagen?!"

Einziges Team mit neun Punkten

Etwas verhaltener als der Dortmund-Legionär äußerte sich Trainer Karel Brückner über die Chancen des Vize-Europameisters von 1996. "Turnier-Favorit? Das glaube ich nicht", sagte der 64-Jährige. Gegen Dänemark wird der nach Karl Mays Apachen-Figur "Kleki Petra" (der weise Vater) benannte Coach am Sonntag (20.45 Uhr) in Porto in jedem Fall wieder auf seine "Häuptlinge" um Pavel Nedved setzen. Dabei hatten die neun Ersatzmänner eine überzeugende Leistung gezeigt und den Tschechen als einzigem EM-Team mit dem dritten Sieg die Maximal-Ausbeute von neun Gruppen-Punkten beschert.

Kleiner Schandfleck

"Es gibt keine A- oder B-Mannschaft. Wir sind ein Team. Das ist unsere Stärke. Keiner wird murren, wenn er auf die Ersatzbank zurück muss", sagte der wohl von diesem Schicksal betroffene Roman Tyce von 1860 München. In den jüngsten elf Pflichtspielen ist der Titelträger von 1976 nun ungeschlagen und doch hat Rosicky auch in der eigentlich makellosen EM-Bilanz einen kleinen Schandfleck ausgemacht. "Wir müssen endlich mal aufpassen, nicht wieder in Rückstand zu geraten. Das geht nicht immer gut", sagte der 23-Jährige. Wie schon gegen Lettland (2:1) und die Niederlande (2:3) wendeten sie nach Michael Ballacks deutschem Führungstor (21. Minute) durch die Tore von Heinz (30.) und Milan Baros (77.) noch das Blatt.

Mit dem ersten Sieg über Deutschland in der regulären Spielzeit seit 40 Jahren und dem ersten Erfolg gegen den großen Nachbarn seit der Teilung mit der Slowakei (1993) überhaupt, haben die Tschechen endgültig ihr ganzes Land in totale Fußball-Begeisterung versetzt. "Europa applaudiert den Tschechen", schrieb die Zeitung "Pravo" nach der erfolgreichen Revanche für das verlorene EM-Finale 1996. Und das Blatt "Mlada fronta Dnes" forderte die Niederländer auf, Heinz & Co. "die Füße zu küssen". (APA/dpa)

  • Die Herren (Tomas Rosicky, Milan Baros and Pavel Nedved, v.li) haben leicht lachen. Für Tschechien sieht es gut aus, für Deutschland weniger.

    Die Herren (Tomas Rosicky, Milan Baros and Pavel Nedved, v.li) haben leicht lachen. Für Tschechien sieht es gut aus, für Deutschland weniger.

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