48 Stunden in Tunis

13. Mai 2005, 11:58
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1001 Nacht in zwei Tagen, arabische Kontraste. Zuerst ein Bummel durch die Vergangenheit in den engen Gassen der Medina, dann, keine zwanzig Fahrminuten entfernt, Zauber des Orients mit Mittelmeerblick.

Erster Tag

Wo eben noch Hektik war, herrscht plötzlich Frieden wie in abgelegen Oasen der Wüste: drei Schritte abseits, wie durch einen unsichtbaren Vorhang schreiten und den Trubel der Medina von Tunis hinter sich lassen. Erst ein schmaler unscheinbarer Eingang, ein langer Korridor, mit Strohmatten ausgelegte Bänke, ein gekachelter Tresen, dann die Krönung: ein wunderschöner Innenhof mit ein paar Tischen und Stühlen, wo die Stille regiert - das [1] Café MïRabet mitten in der orientalischen Altstadt im Schatten der alles dominierenden [2] Zitouna-Moschee. Tunis abseits der ausgetrampelten Touristen-Pfade erleben:

Das macht den eigentlichen Reiz dieser Stadt aus, deren Prachtstraße [3] Avenue Habib Bourguiba mit einem Park zwischen den Fahrspuren ein bisschen an die Champs-Elys`ees in Paris erinnert, deren Altstadt aber den Orient vergangener Tage am Leben erhält. Das genannte Café liegt am Südende der Medina nahe der Regierungsgebäude, während die Tagesausflügler von der Küste meist am gegenüberliegenden Eingang beim [4] Porte de France aus ihren Bussen entladen werden und sich nur ein paar Hundert Meter weit ins Labyrinth der Medina wagen. Hier aber ist das Warenangebot urtümlicher, hier entfällt Händler-Getue und Shopping-Stress - hier, wo man durch manche Gassen mit einem quergehaltenen Baguette vorm Bauch nicht hindurch passen würde. Von der UNESCO ist die gesamte 1500 x 800m große Medina von Tunis als schützens- und erhaltenswertes "Weltkulturerbe der Menschheit" unter besonderen Schutz gestellt worden. Teile der Souks entsprechen noch heute der traditionellen Ordnung nach Zünften. Dort wo einst der Sklavenmarkt war, nahe der Regierungsgebäude, sitzen die Juweliere, dann kommen die Tuchhändler, die Hutmacher, die Parfümerien. Erstklassig: das [5] Restaurant Dar el Jeld, das ohne Leuchtreklame auskommt. Nur eine Fackel am Eingang macht von außen auf den renovierten Palast mit der Sternen-Küche aufmerksam.

Zweiter Tag

Steile kopfsteingepflasterte Gassen führen hinab in den siebten Himmel. Vorbei an schneeweißen und wie Schachteln übereinander gestapelten Häuschen mit hellblauen Türen und Fenstern, vom Leuchtturm hoch über dem Ort hinunter in die Altstadt des Villenvororts [6] Sidi Bou Said: dorthin, wo auf der blumenumrankten Terrasse des "Caf`e des Nattes" zu Beginn des Jahrhunderts die beiden Künstler August Macke und Paul Klee gesessen, geträumt und aquarelliert haben. Die Gassen von Sidi Bou Said sind noch immer kopfsteingepflastert. Das Caf`e' sieht aus wie damals. Nichts lässt erahnen, dass das quirlige, hektische Zentrum der Großstadt Tunis nur 20, der Flughafen Tunis-Carthage nur zehn Fahrtminuten entfernt ist. In Sichtweite von Sidi Bou Said hat der tunesische Präsident Zine el Abdin Ben Ali seinen [7] Palast, und direkt daneben residierten Punier und Römer: Sie alle wussten, wo es sich gut leben lässt. Nur ein kleiner Teil der Ruinen der einstigen Weltstadt [8] Carthago ist bereits ausgegraben worden - darunter ein Amphietheater und die direkt an den Präsidentenpalast grenzenden Ruinen der Antoninus-Pius-Thermen. Fotos: H. Sobik (6)

Infos & Detail

Tägliche Flüge via Zürich, im Sommer verschiedene Charterflüge Informationen: Tunesisches Fremdenverkehrsamt, Opernring 1 1010 Wien, Tel. 01/585 34 80, Fax 585 34 80.

© DER STANDARD, 12./13. Februar 2000

Von Helge Sobik
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