Aktive Frauenförderung verstärken

8. Juli 2004, 21:04
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25 Jahre Gleichbehandlungs­gesetz: Grüne fordern Rückkehr zur Frauenpolitik

Wien - Anlässlich des 25jährigen Bestehens des Gleichbehandlungsgesetzes in Österreich fordert die Frauensprecherin der Grünen, Brigid Weinzinger, mehr Frauenrechte ein. Die Grünen luden zum Thema 'Gleichbehandlung - quo vadis?' zu einer Enquete ins Parlament und thematisierten die Weiterentwicklung der Gesetzgebung in Sachen Gleichbehandlung. "Sich auf dem Erreichten auszuruhen, reicht nicht: Gleichbehandlung von Frauen muss überall gelten, nicht nur auf dem Arbeitsplatz. In den letzten 25 Jahren wurden wichtige Fortschritte für Frauen am Arbeitsplatz erreicht. Nun muss an Verbesserungen gearbeitet werden. Der Schutz von Frauen vor Diskriminierung außerhalb des Arbeitsplatzes muss gesetzlich geregelt werden", so Weinzinger.

Omnipräsent

Weinzinger verweist auf die alltägliche Diskriminierung von Frauen etwa im Gesundheitssektor, wo Frauen insbesondere in der intensivmedizinischen Betreuung benachteiligt würden oder auf den Bildungsbereich. Dort würden nicht nur Rollenklischees in den Schulen fortgeschrieben, es bleibe den Mädchen auch so manche Ausbildungsmöglichkeit verschlossen, etwa bei Lehrplätzen oder auch bei der Aufnahme in die Spanische Hofreitschule.

Gläserne Decke

Weinzinger kritisiert auch die Behinderungen von Frauen bei Karriere und Berufstätigkeit, die durch fehlende Rahmenbedingungen, große Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen und die 'gläserne Decke' im Beruf erfolgten. Auf die Situation der bei der Stadt Wien beschäftigten Frauen angesprochen, bestätigt Monika Vana, Frauensprecherin der Wiener Grünen, diese Fakten. 55 Prozent der Beschäftigten der Stadt Wien seien Frauen. In den Spitzenfunktionen sei der Frauenanteil jedoch gering: in der Dienstklasse A VIII 29 Prozent, bei der Leitung einer Magistratsabteilung nur 14 Prozent. "Trotz fortschrittlicher Gleichbehandlungsgesetzgebung und einer 50prozentigen Frauenförderquote stoßen Frauen nach wie vor an die 'gläserne Decke'", so Vana.

Strukturelle Benachteiligung

Auch die Atypisierung von Beschäftigungsverhältnissen und das Problem 'Karriereknick durch Babypause' sei in Wien weiblich. 92 Prozent der Teilzeitbediensteten seien Frauen, Elternkarenz werde zu 99 Prozent von Frauen in Anspruch genommen. Problematisch sieht Vana, dass bei der Wiener Verwaltungsmodernisierung die Strategie des Gender Mainstreaming bislang nicht einbezogen worden sei. Wien habe sich jedoch auf Antrag der Grünen dazu verpflichtet. Durch die verstärkte Ausgliederungspolitik würde diese Strategie geschwächt, da das Wiener Gleichbehandlungsgesetz für immer weniger Personen gelte. Die aktuelle BeamtInnenpensionsreform in Wien spiegle die strukturelle Benachteiligung von Frauen wider.

Stärkung

Diese Beispiele zeigten für Vana deutlich, dass eine Politik der Umverteilung von Arbeit, Zeit, Geld und Macht zwischen den Geschlechtern dringend erforderlich sei. "Um Gleichstellung zu erreichen, braucht es Maßnahmen, die über die Gleichbehandlungsgesetzgebung hinausgehen. Aktive Gleichstellungspolitik und Frauenförderung müssen forciert und mit der Strategie des Gender Mainstreaming im gesamten Bereich der Politik und Verwaltung verstärkt werden", ergänzt Vana. Abschließend fordert Vana die Koppelung der öffentlichen Auftragsvergabe an Frauenförderpläne. (red)

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