++Pro&Contra-- Drängen am Buffet

1. Juli 2004, 13:44
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Bärlauchrisotto nebst Schinkenfleckerln an Schokomousse - Buffets leisten jedweder Barbarei Vorschub

+++Pro
von Markus Mittringer

Also: Jede Form von Buffet, die einen privaten Rahmen von acht Leuten überschreitet, ist ein Irrtum. Und da es Gastgebern in einem privaten Rahmen durchaus zumutbar ist, bei lächerlichen acht Leuten ein Essen auch anständig zu servieren, kann das Buffet generell als Irrtum erachtet werden. Weil: Auch wenn es beim Gros der privaten Einladungen nicht darauf ankommt, grundsätzlich geht es beim Essen um Dramaturgie - um Folge und Gewichtung einzelner Speisen. Und es geht darum, sie getrennt voneinander zu verhandeln. Und so wurde eben der Service als leider unabdingbare Disziplinarmaßnahme erfunden. Und darum ist Kellner ja auch ein Beruf und kein Studentenjob.

Ein Buffet hingegen leistet jedweder Barbarei Vorschub: Man braucht nur zu beobachten, was alles auf einen Teller findet, kaum dass man Menschen gestattet, sich selbst zu bedienen: Bärlauchrisotto unter Kalbsrahmgulasch an frittierten Garnelen nebst versprengten Rehnüsschen und Schnitten überbackener Schinkenfleckerln plus je einem Gupf vom Mousse weißer und dunkler Schokolade. Und also ist jede Subversion heilig, dem Unsinn ein Ende zu bereiten. Ich dräng mich dazu gern vor, um die Garnelen zu blockieren, die Gier von hinten auflaufen zu lassen, sorge mit abrupten Stopps und Wendungen für Flecken auf der Abendgarderobe des Pöbels und künde an vorderster Front von hartnäckigen Salmonellen und gemeinen Fischvergiftungen.

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Contra--
von Andreas Feiertag

Also gut, dann gestehe ich es hier eben öffentlich ein: Ich bin ein Weichei, keine Kämpfernatur! Bei einer angesagten heißen Schlacht am kalten Buffet, wo der Mann laut Reinhard Mey noch Mann sein kann, begehe ich, wann immer ich kann, diätetische Fahnenflucht vor den kulinarischen Barbaren. Sollen sich die gierigen Hungerleider doch alleine um die Garnelen balgen, sich mit Gabeln im Gerangel um die zerfetzten Lachsstücke gegenseitig aufspießen und dann, mit angespannten Bäuchen, anhand der Zahl der Trittwunden und Soßenflecken auf den Abendroben ihre kleinliche Kosten-Nutzenrechnung aufstellen.

Nur geht das halt leider nicht immer, der lukullische Teufel sitzt in den meist berufsbedingten Pflichtfressen. Und bei diesen, da muss ich Markus Mittringer widersprechen, ist das Buffet kein Irrtum. In solcher Zwangssituation ist mir das Buffet oft einsame Insel zur geistigen Erholung, Ausweg aus kommunikativem Irrsinn. Ohne es müsste ich mich bis zur Bewusstlosigkeit besaufen.

Ich sitze bei solchen Gelegenheiten nämlich nicht selten mit Menschen am Tisch, die den Mund, selbst wenn sie nicht essen, zu voll nehmen, deren penetrante Beiträge zur Unterhaltung der Qualität ihrer auf den Tellern angehäuften Speisenmixtur - Bärlauchrisotto unter Kalbsrahmgulasch nebst Schinkenfleckerln an Schokomousse - um nichts nachsteht. Ich schleich mich dann, als vorgeblicher Nimmersatt, immer wieder ans Buffet, suche dort Ruhe. Die finde ich aber nur, wenn nicht wieder so ein subversives Element drängelt! (Der Standard/rondo/25/6/2004)

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